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Sprüche, Gedichte, Zitate

Das blinde Kind

Es sitzt das Mädchen trüb im Leid, Es tastet an dem Schmuck die Hand, Sie streift das lichte Feierkleid, Des Farbenschein ihr unbekannt; Des Lichtes Quell ist ihr verstopft, Ihr Aug‘ kennt keiner Farbe Wahl, Es kennt nur Lust, die leise tropft, Kennt nur des Schmerzes wilden Schwall.

Gedanken nicht auf Eis

Wer seine Gedanken nicht auf Eis zu legen versteht, der soll sich nicht in die Hitze des Streits begeben. Autor unbekannt

Abschied von der Klosterkammer

Leb wohl, du stille klösterliche Kammer, Wo, schwelgend in der Jugend Lust und Jammer, Der Rose gleich in schwüler Mainacht Schoß, Mein Jünglingsherz den Blütenkelch erschloss.

Wulfhild und Waldtraut

Die schlanke Bode fließt im Thale Um manchen Berg und Felsenhang, Macht her und hin manch liebe Male Umweg und krummen Wiedergang.

Wunsch und Erfüllung

Kann ich nur dichten! – bleibt mir Freiheit nur Tagtäglich meinen Schritt in die Natur Nach Herzenslust zu richten; Kann ich nur lagern mich auf luft’gen Höhn, Am Leben mich des reichen Tals zu weiden, Mich an belebten Strömen nur ergehn, So werd‘ ich keinem seinen Stand beneiden.

Auf ewig! armes Wort im Menschenmunde | Gedicht von Heinrich Seidel

Ich weiss ein Grab, vergessen und allein –Aus alter Zeit ist es zurückgeblieben –Verwittert – moosbedeckt der schwere Stein. Und eine Schrift ist in den Stein getrieben:„Auf ewig ist dies Grab erkauft, und nimmerDarf man es öffnen!“ also stehts geschrieben. Ich fand es jüngst, als ich im AbendschimmerEinherging träumend in der Stille dort,Nachsinnend dem vergänglich

Vor Weihnacht – Weihnachtsgedicht / Gedicht von Karl Gerok

Die Kindlein sitzen im Zimmer– Weihnachten ist nicht mehr weit –bei traulichem Lampenschimmerund jubeln: „Es schneit, es schneit!“ Das leichte Flockengewimmel,es schwebt durch die dämmernde Nachtherunter vom hohen Himmelvorüber am Fenster so sacht. Und wo ein Flöckchen im Tanzeden Scheiben vorüberschweift,da flimmert’s in silbernem Glanze,vom Lichte der Lampe bestreift. Die Kindlein sehn’s mit Frohlocken,sie drängen

Zur heiligen Weihnacht – Gedicht / Weihnachtsgedicht von Adolf Kolping

Es strebte aus der Nacht des LebensDie Menschheit stets nach Glück und Licht,Doch suchte sie den Weg vergebensJahrtausende und fand ihn nicht. Da ließ den Friedensgruß erschallenDurch Engelsmund das Christuskind,Es bot den wahren Frieden allen,Die eines guten Willens sind. Es nahm auf sich der Menschheit BürdeUnd gab des reinen Herzens Glück,Es gab dem Weibe seine

Jagd im Winter

Der Himmel grau, die Erde weiß, Die Bäume kahl, die Büsche Gereis, Ihr Lächeln den Fluren genommen. Mag zagen, wer will, mir wallet es heiß, Ich nenne willkommen dich, blinkendes Eis, Dich, starrender Winter, willkommen.