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Sprüche, Gedichte, Zitate

Am Sonntage nach Weihnachten – Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff

»Das Kind aber wuchs heran und wardgestärket, voll der Weisheit, und GottesGnade war mit ihm«An Jahren reif und an GeschickeBlieb ich ein Kind vor Gottes Augen,Ein schlimmes Kind voll schwacher Tücke,Die selber mir zu schaden taugen.Nicht hat Erfahrung mich bereichert;Wüst ist mein Kopf, der Busen leer;Ach keine Frucht hab‘ ich gespeichertUnd schau auch keine Saaten

Das Spiegelbild

Schaust du mich an aus dem Kristall Mit deiner Augen Nebelball, Kometen gleich, die im Verbleichen; Mit Zügen, worin wunderlich Zwei Seelen wie Spione sich Umschleichen, ja, dann flüstre ich: Phantom, du bist nicht meinesgleichen!

Am Turme

Ich steh‘ auf hohem Balkone am Turm, umstrichen vom schreienden Stare, und lass‘ gleich einer Mänade den Sturm mir wühlen im flatternden Haare; o wilder Geselle, otoller Fant, ich möchte dich kräftig umschlingen, und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand auf Tod und Leben dann ringen!

Abschied von der Jugend

Wie der zitternde Verbannte Steht an seiner Heimat Grenzen, Rückwärts er das Antlitz wendet, Rückwärts seine Augen glänzen, Winde, die hinüber streichen, Vögel in der Luft beneidet, Schaudernd vor der kleinen Scholle, Die das Land vom Lande scheidet;

Am Bodensee

Über Gelände, matt gedehnt, Hat Nebelhauch sich wimmelnd gelegt, Müde, müde die Luft am Strande stöhnt, Wie ein Roß, das den schlafenden Reiter trägt; Im Fischerhause kein Lämpchen brennt, Im öden Turme kein Heimchen schrillt, Nur langsam rollend der Pulsschlag schwillt In dem zitternden Element.