Vorfreude auf Weihnachten – Gedicht / Weihnachtsgedicht von Joachim Ringelnatz
Ein Kind – von einem Schiefertafel-Schwämmchen
Umhüpft – rennt froh durch mein Gemüt.
Bald ist es Weihnacht! – Wenn der Christbaum blüht,
Dann blüht er Flämmchen.
Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt
Uns mild. – Es werden Lieder, Düfte fächeln. –
Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt,
Wird dann doch gütig lächeln.
Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes
Alle unfeindlich sind – einmal im Jahr! –
Uns alle Kinder fühlen eines Baumes.
Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.
Joachim Ringelnatz
Muttersegen
Die Mutter sitzt beim Kinde, das liegt im Kissen warm.
Sie küßt es auf die Lippen, sie hält es weich im Arm,
Sie lallt und lacht und betet, wie`s eine Mutter tut,
Das Kindlein lächelt leise, es weiß, wie sie ihm gut.
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Im kurzen Abend
Im kurzen Abend. Voll Wind ist die Stunde,
Und die Röte so tief und so winterlich klein.
Unsere Hand, die sich zagend gefunden,
Bald wird sie frieren und einsam sein.
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Ein Winterabend
Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.
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Die Strafe des Lügners ist nicht
Die Strafe des Lügners ist nicht, dass ihm niemand mehr glaubt,
sondern dass er selbst niemandem mehr glauben kann.
George Bernard Shaw
Das Paradox unserer Zeit ist
Das Paradox unserer Zeit ist:
Wir haben hohe Gebäude,
aber eine niedrige Toleranz.
Wir haben größere Häuser,
aber kleinere Familien.
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Novembertag
Die Bäume auf der Höhe entlaubt,
Die Felder öd und kahl,
Die Matten ihres Schmucks beraubt,
Er Himmel bleiern und fahl.
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Ist das, das Glück ?
Ist das, das Glück,
Ich wag es kaum zu fassen,
Damit ich’s nicht zerbrech !
Und doch ich kann mich gar nicht lassen
Nach dir, vor wilder Freud.
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Christkind, Christkind, guter Gast, hast du mir was mitgebracht? Hast du was, dann setz dich nieder, hast du nichts, dann geh gleich wieder!
Christkind, Christkind, guter Gast,
hast du mir was mitgebracht?
Hast du was, dann setz dich nieder,
hast du nichts, dann geh gleich wieder!
In der heiligen Weihnacht – Gedicht / Weihnachtsgedicht von Max von Schenkendorf
Kommt ihr Hirten, kommt ihr Armen,
Seht das ewige Erbarmen,
Das sich uns hat zugesellt,
Nicht den Königen der Erden,
Hirten will er ähnlich werden,
Er, der Herr der ganzen Welt.
Lass mich von der Erde Götzen,
Ihren Freuden, ihren Schätzen
Hin an deine Krippe fliehn;
Und mit dir, du Himmelsknabe,
Unter deinem Hirtenstabe
Bis zur Schädelstätte ziehn.
Max von Schenkendorf
In einem alten Garten
Resedaduft entschwebt im braunen Grün,
Geflimmer schauert auf den schönen Weiher,
Die Weiden stehn gehüllt in weiße Schleier
Darinnen Falter irre Kreise ziehn.
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