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    An die Laute


    Du singst, o Nachtigall! allein
    Bei schauervoller Nacht:
    Dein Lied ertönt im dunkeln Hain,
    Wo nur die Schwermut wacht.

    Dein Lied erfrischt des Wandrers Herz,
    Der tief im verirrt,
    Von mancher Furcht, von manchem Schmerz
    Bestürmt und trostlos wird.

    Er hört den kläglich süßen Ton
    Mit ehrfurchtvoller Lust:
    Die Hoffnung, die schon fast entflohn,
    Erwacht in seiner Brust.

    Nun geht er durch die dunkle Bahn
    Mit sichern Schritten hin:
    Sein Schutzgeist gehet still voran;
    Der Nächte Schrecken fliehn.

    Wenn auf des Lebens dunkelm Pfad
    Die Seele trostlos irrt,
    Und ohne Schutz und ohne Rat
    Der Schwermut Beute wird.

    Oh, sanfte Laute! töne du
    Bei stiller Mitternacht
    Mir Hoffnung, Trost und Ruhe zu,
    Die Hirten glücklich macht!

    Entfernt von prächt’ger Toren Hohn,
    Lehrst du mich ruhig sein.
    Mein Leben sei, so wie dein Ton,
    Still, anmutsvoll und rein.

    Der prächtigen Trompeten Klang
    Ist schön, doch fürchterlich:
    Ganz leise tönet dein Gesang,
    Und reizend nur für mich.

    So sei mein Leben stillbeglückt,
    Sanft, aber unbekannt,
    Mit stillen Tugenden geschmückt,
    Im sichern Mittelstand.

    Ein schimmernd Glück begehr‘ ich nie:
    Oh, wär‘ die Weisheit mein!
    Erhabne Vorsicht, gib mir sie,
    So werd‘ ich glücklich sein!

    Der Lorbeer bleibt beständig grün,
    Den uns die Muse reicht,
    Wenn auch die Zeiten schnell entfliehn,
    Der Scherz entweicht.

    Mein Alter sei nicht freudenleer,
    Nicht ohne Scherz und Lied!
    Der Tod ist nur dem Toren schwer,
    Dem sterbend alles flieht. [⇐94]



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