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    Neue Gedichte



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    Gedicht zum Valentinstag von Heinrich Heine

    Morgens send ich dir die Veilchen…

    Morgens send ich dir die Veilchen,
    Die ich früh im Wald gefunden,
    Und des Abends bring ich Rosen,
    Die ich brach in Dämmrungstunden.

    Weißt du, was die hübschen Blumen
    Dir Verblümtes sagen möchten?
    Treu sein sollst du mir am Tage
    Und mich lieben in den Nächten.

    Heinrich Heine (1797-1856)

    Wenn alle untreu werden, so bleib ich dir doch treu, dass Dankbarkeit auf Erden nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, vergingst für mich in Schmerz. Drum geb ich dir mit Freuden auf ewig dieses Herz. (Novalis)

    Wenn alle untreu werden,
    so bleib ich dir doch treu,
    dass Dankbarkeit auf Erden
    nicht ausgestorben sei.
    Für mich umfing dich Leiden,
    vergingst für mich in Schmerz.
    Drum geb ich dir mit Freuden
    auf ewig dieses Herz.

    Novalis

    Blumengruß zum Valentinstag (Johann Wolfgang von Goethe)

    Der Strauß, den ich gepflücket,
    Grüße dich viel tausendmal.
    Ich habe mich oft gebücket

    Ach wohl ein tausendmal,
    Und ihn ans Herz gedrücket
    Wie hunderttausendmal.

    Johann Wolfgang von Goethe

    Zur Hochzeit: Das Eherezept

    Der Herr im Haus, wie man’s versteht, ist der wohl, der die Hosen trägt.
    Doch ist es heute schwer zu sagen, da beide ja jetzt Hosen tragen.
    Um eine Ehe zu erhalten, um sie harmonisch zu gestalten,
    geb‘ ich der Frau den guten Rat, mit Vorsicht: Sei ein Diplomat.
    Da wir es ja schon oft geseh’n und es schon 1000-mal gescheh’n,
    die Ehe dabei scheitern kann, wo man das Recht entzieht dem Mann.

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    Wo liebend sich zwei Herzen einen, nur eins zu sein in Freud und Leid, da muss des Himmels Sonne scheinen und heiter lächeln jede Zeit! (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

    Wo liebend sich
    zwei Herzen einen,
    nur eins zu sein in Freud und Leid,
    da muss des Himmels Sonne scheinen
    und heiter lächeln jede Zeit!

    August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

    Wie ich dich liebe? (Elizabeth Barrett Browning (1806-1861)- Aus dem Englischen von Rainer Maria Rilke.)

    Wie ich dich liebe? Lass mich zählen wie.
    Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit,
    als meine Seele blindlings reicht, wenn sie
    ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.

    Ich liebe dich bis zu dem stillsten Stand,
    den jeder Tag erreicht im Lampenschein
    oder in Sonne. Frei, im Recht, und rein
    wie jene, die vom Ruhm sich abgewandt.

    Mit aller Leidenschaft der Leidenszeit
    und mit der Kindheit Kraft, die fort war, seit
    ich meine Heiligen nicht mehr geliebt.

    Mit allem Lächeln, aller Tränennot
    und allem Atem. Und wenn Gott es giebt,
    will ich dich besser lieben nach dem Tod.

    Elizabeth Barrett Browning (1806-1861)
    (Aus dem Englischen von Rainer Maria Rilke.)

    Liebesgedicht von Heinrich Heine : Du bist wie eine Blume

    Du bist wie eine Blume,
    So hold und schön und rein;
    Ich schau dich an, und Wehmut
    Schleicht mir ins Herz hinein.
    Mir ist, als ob ich die Hände
    Aufs Haupt dir legen sollt,
    Betend, dass Gott dich erhalte
    So rein und schön und hold.

    Heinrich Heine (1797-1856)

    Jahreswechsel – Silvestergedicht / Gedicht von Louise Otto (1819-1895)

    Wenn hoch vom Turm die Glocken klingen,
    In mitternächtlich ernster Stund‘
    Des Jahres Scheidegruß zu bringen:
    Dann lauschen wir, als werd‘ uns kund,
    Was nun der neue Lauf der Horen
    Uns Erdenpilgern bieten mag –
    Das Jahr ward neuverjüngt geboren
    Und festlich grüßt sein erster Tag.

    Doch ist vergeblich alles Fragen,
    Die Antwort lautet immer gleich:
    Propheten sind aus unsern Tagen
    Verbannt ins dunkle Sagenreich.
    Kein Blick darf in die Werkstatt schweifen,
    In der des Menschen Los sich webt,
    Kein Arm in das Getriebe greifen,
    Das Schicksals-Fäden senkt und hebt!

    Das mussten alle wir erfahren
    In unsrer Lieben engem Kreis –
    Gebrochen müssen wir gewahren
    Manch hoffnungsgrüne frisches Reis,
    Und wo wir’s ahnend kaum vermutet,
    Da kam uns Rettung aus der Not,
    Indessen dort ein Herz verblutet
    Weil ihm sein Liebstes nahm der Tod!

    Nur eitel ist das ird’sche Hoffen
    Das sich an äußre Zeichen hält,
    Ist nicht in uns ein Himmel offen,
    Von dem kein Stern herunterfällt.
    Wie sehr auch Sturm und Donner wettert
    Und frische Hoffnungssaat zerschlägt
    Und alle Rosen uns entblättert,
    Wie Staub in alle Winde trägt.

    Ein Himmel, den wir sicher schauen,
    Wenn sich der Blick nur aufwärts hebt,
    Ein Himmel, den wir selber bauen,
    Wenn wir zum höchsten Ziel gestrebt,
    Ein Himmel, draus seit Ewigkeiten
    Zu uns die Schöpfungsformel spricht,
    Die heiligste für alle Zeiten
    Kein Chaos mehr! – es werde Licht!

    Kein Chaos mehr – in unserm Leben,
    Kein Chaos mehr im Vaterland!
    Es werde Licht, – dies unser Streben,
    Die Waffe dies in unsrer Hand
    Des Gottesfunkens treue Wächter
    An heil’ger Freiheit Hochaltar,
    Und Feinde aller Lichtverächter:
    So grüßen wir das neue Jahr.

    Louise Otto (1819-1895)

    Calderon

    Ein Zaubergarten liegt im Meeresgrunde;
    Kein Garten, nein, aus künstlichen Krystallen
    Ein Wunderschloß, wo blitzend von Metallen,
    Die Bäumchen sprossen aus dem lichten Grunde;

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    Vogelhochzeit

    Ein Vogel wollte Hochzeit halten
    in dem grünen Walde.
    Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

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    Auf Ihr Hirten

    Auf, ihr Hirten, höret an, höret an
    was wir neu’s vernommen:
    Uns ist fremder Jubelton, Jubelton
    heut‘ zu Ohren ‚kommen.

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    Laterne, Laterne

    Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
    Brenne auf mein Licht, aber meine Laterne nicht.

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