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    Neue Sprüche, Zitate, Gedichte in 2010



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    De Wihnachtsmann – plattdeutsches Weihnachtsgedicht

    Du Mudder,“ frogt de lütt Johann,
    wann kummt he denn de Wihnachtsmann?
    Mi dücht, ick hebb sien Peerd jüst hört.
    Wat he nu wohl den Hoff ropföhrt?
    Kann he den Weg ok weller finn‘?
    Sühnt de den Ring ton Peerd anbind’n?“

    „ck weet nich rech,“ seggt nu sien Mudder,
    för’t Peerd bruukt he wohl eerstmol Futter.
    Ick glöv he geiht eers‘ rop’e Deel,
    dor find dat Peerd wohl noch soveel.
    Du hest dat doch wohl nich vergeeten
    un hest noog Heu von Böhn afsmeeten?“

    „Oh weh,“ seggt nu de Lütt mitmol,
    „hebb ick vergeeten – ganz totol -.
    Wat mok ick denn nu blots so gau?
    Nimmt he dat würklich so genau?
    Ick hör em al, nu ist to loot.
    Kick hin, he hett de Klink tofot!“

    Un denn steiht he mitmol blang’n oben
    un wiest mit siene Hand no boben:
    „Hebbt ji keen Heu för mien lütt Peerd?
    Bün ick amenne hier verkehrt?“
    „Dat nich, dat liggt woanners an,
    vergeeten hett dat uns Johann,“
    seggt Mudder nu un meent mitmol,
    „ick glöv, uns Vadder smitt wat dool.
    He kickt no’t Veeh un wull ok weeten,
    wat uns Johann harr’t nich vergeeten.“

    „Mi deit dat leed un tokeln Johr
    is ganz bestimmt dat Heu ok dor.“
    Johann fangt meis dat Weenen an
    un krüppt ganz dicht an Mudder ran.
    Nu seggt he gau sien Riemels op,
    dat kann he böst, ganz ut’n Kopp.
    Di Wihnachtsmann strickt em öber’t Hoor
    un seggt: „Is goot, mien Jung, is all’ns kloar.“

    „Blots dink doran, dörvst nich vergeeten,
    ok unse Tier’n bruukt jümme Freeten.
    Ick glöv ok meis‘ dat weest du lang,
    nu komm man her un wees nich bang’n.
    Ick hebb se mit, de Iesenbohn
    un ok den annern lütten Kroom.
    Kiek an, is de lütt Tog nich fein,
    un ok de Wogens, so’n Stücker tein?“

    He stellt de Soken ünnern Boom,
    Johann steiht dor as wie in Droom-,
    de Oogen blank, dat Hart vull Freud,
    dinkt he nu gor nich mehr an’t Heu.

    „Du Wihnachtsmann, ick dank doarför,
    komm tokeln Johr man weller her.“
    De seggt: „Adjüs, nu ward dat Tiet,
    op mi luurt ok noch anner Lüüd.“

    Autor unbekannt

    Wenn in den ersten blauen Abendtraum … – Gedicht von Ernst Goll

    Wenn in den ersten blauen Abendtraum
    Mit süßem Klang die Feierglocken läuten,
    Entzünden wir an unserm Weihnachtsbaum
    Die hundert Lichter, die das Glück bedeuten.

    Doch einer Kerze andachtvolles Licht
    Lass uns den Göttern weihen und vertrauen,
    Das sie aus ihrer sel´gen Höhe nicht
    Mit Neid auf diese milde Stunde schauen.

    Dann sehn wir schweigend in den hellen Glanz
    Und wagen nicht, die Hände uns zu reichen.
    Dein Aug´ ist feucht. Und ich beginne ganz,
    Ganz leise dir das liebe Haar zu streichen.

    Ernst Goll

    Viele Spötter meinen

    Viele Spötter meinen, reich an Geist zu sein,
    und sind doch nur arm an Takt.

    Georg Lichtenberg

    Wanderszene

    Es geht ein Mann mit raschem Schritt –
    Nun freilich geht sein Schatten mit –
    Er geht durch Dickicht, Feld und Korn
    Und all sein Streben ist nach vorn.

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    Fröhlichkeit (Heym)

    Es rauscht und saust von großen Karussellen
    Wie Sonnen flammend in den Nachmittagen.
    Und tausend Leute sehen mit Behagen,
    Wie sich Kamele drehn und Rosse schnelle,

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    Verklärter Herbst

    Gewaltig endet so das Jahr
    Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
    Rund schweigen Wälder wunderbar
    Und sind des Einsamen Gefährten.

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    Der Adventskranz – schönes Adventsgedicht

    Nun kommt das Christkind aber bald,
    wir holen Tannen aus dem Wald,
    für einen Kranz so rund und fein,
    darauf brennen vier rote Kerzelein.

    Heute zünden wir die erste an,
    am Sonntag ist die zweite dran,
    bei der dritten da leuchtet schon das ganze Gesicht,
    weil es überall nach Weihnachten riecht.

    Und wenn die vierte angemacht,
    dann läuten die Glocken zur heiligen Nacht.
    Sie läuten von nah, sie läuten von fern,
    freut euch Ihr Menschen, es Weihnachtet sehr.

    Autor unbekannt

    Sowie nicht jeder träumt, der schläft

    Sowie nicht jeder träumt, der schläft,
    so schläft nicht jeder, der träumt.

    Georg Lichtenberg

    Halbe Wahrheiten

    Halbe Wahrheiten sind die schlimmsten Lügen.

    Georg Lichtenberg

    Die Hässlichen

    Die Verstoßnen hören die Götter nicht
    Und voll Ekel wendet der Gott sich ab,
    Wenn der Kinder der Nacht
    Eines wimmert im Jammerlaut.

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    Am Sonntage nach Weihnachten – Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff

    »Das Kind aber wuchs heran und ward
    gestärket, voll der Weisheit, und Gottes
    Gnade war mit ihm«
    An Jahren reif und an Geschicke
    Blieb ich ein Kind vor Gottes Augen,
    Ein schlimmes Kind voll schwacher Tücke,
    Die selber mir zu schaden taugen.
    Nicht hat Erfahrung mich bereichert;
    Wüst ist mein Kopf, der Busen leer;
    Ach keine Frucht hab‘ ich gespeichert
    Und schau auch keine Saaten mehr!

    Ging so die teure Zeit verloren,
    Die über Hoffen zugegeben
    Dem Wesen, was noch kaum geboren
    Schon schmerzlich kämpfte um sein Leben:
    Ich, die den Tod seit Jahren fühle
    Sich langsam nagend bis ans Herz,
    Weh‘ mir, ich treibe Kinderspiele,
    Als sei der Sarg ein Mummenscherz!

    In siechen Kindes Haupte dämmert
    Das unverstandne Mißbehagen;
    So, wenn der Grabwurm lauter hämmert,
    Fühl‘ bänger ich die Pulse schlagen.
    Dann bricht hervor das matte Stöhnen,
    Der kranke, schmerzgedämpfte Schrei;
    Ich lange mit des Wurmes Dehnen
    Sehnsüchtig nach der Arzenei.

    Doch wenn ein frischer Hauch die welke,
    Todsieche Nessel hat berühret,
    Dann hält sie sich wie Ros‘ und Nelke
    Und meint sich königlich gezieret.
    O Leichtsinn, Leichtsinn sonder Gleichen,
    Als ob kein Seufzer ihn gestört!
    Und doch muß ich vor Gram erbleichen,
    Durch meine Seele ging ein Schwert.

    Wer mußt‘ so vieles Leid erfahren
    An Körpernot und Seelenleiden
    Und dennoch in so langen Jahren
    Sich von der Welt nicht mochte scheiden:
    Ob er als Frevler sich dem Rade,
    Als Tor geselle sich dem Spott,
    O sei barmherzig, ew’ge Gnade,
    Richt ihn als Toren, milder Gott!

    Du hast sein siedend Hirn gebildet,
    Der Nerven rastlos flatternd Spielen
    Nicht von gesundem Blut geschildet,
    Weißt seine dumpfe Angst zu fühlen,
    Wenn er sich windet unter Schlingen,
    Zu mächtig ihm und doch verhaßt,
    Er gern ein Opfer möchte bringen,
    Wenn es nur seine Hand erfaßt‘.

    Was Sünde war, du wirst es richten,
    Und meine Strafe muß ich tragen;
    Und was Verwirrung, wirst du schlichten,
    Weit gnäd’ger, als ich dürfte sagen.
    Wenn klar das Haupt, die Fäden löser,
    Was dann mein Teil, ich weiß es nicht;
    Jetzt kann ich stammeln nur: »Erlöser,
    Ich gebe mich in dein Gericht!«

    Annette von Droste-Hülshoff

    Erwartung der Weihnacht – Gedicht von Otto Ernst

    Noch eine Nacht und aus den Lüften
    Herniederströmt das goldne Licht
    Der wundersamen Weihnachtsfreude,
    Verklärend jedes Ungesicht.
    Und wieder klingt die alte Sage:
    Wie einst die Lieb´ geboren ward,
    Die unbegrenzte Menschenliebe
    In einem Kindlein hold und zart.

    Nun zieht ein süß erschauernd Ahnen
    Durch Höhn und Tiefen, Flur und Feld.
    Nun deckt geheimnisvoll ein Schleier
    Des trauten Heimes kleine Welt.
    Dahinter strahlt´s und lacht´s und flimmert´s
    Und ist der süßen Rätsel voll,
    Durch alle Räume weht ein Odem
    Der Freunde, die da kommen soll.

    Und draußen nicken Bäum´ und Büsche
    So leis´ winterklarer Luft:
    Die Kunde kommt, dass neues Leben
    Sich wieder regt in tiefer Gruft.
    Es knarrt die Eiche vor dem Fenster,
    Sie träumt von langer Zeiten Lauf;
    Da steigt wohl auch ein froh´ Erinnern
    In ihre Krone still hinauf.

    O weilt, ihr jugendschönen Stunden,
    Verweile du, der Hoffnung Glück!
    Vermöcht´ ich´s nur: mit allen Kräften
    Der Seele hielt´ ich dich zurück.
    Ihr süßen Träume es Erwartens,
    Der Wunder und Gedicht voll,
    Ihr seid noch schöner als der Jubel,
    die Freude, die da kommen soll.

    Otto Ernst




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