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    Neue Sprüche, Zitate, Gedichte in 2010



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    Tell

    Er hat sein letztes Wort gesprochen,
    Zu Fall ist der Tyrann gebracht,
    Und was ein Apfel einst verbrochen,
    Hat nun ein Apfel gutgemacht.
    Doch deines Kindes Blut vergossen??
    Ei, Tell, ich hätte nicht geschossen!

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    Neujahr – Gedicht / Neujahrsgedicht von Georg Herwegh

    Herr, o Herr, soll größer noch
    Deine Kette werden?
    Reicht sie von dem Himmel doch
    Längst herab zur Erden!
    Wieder, weil ein Jahr verging,
    Sprudelt man Sonette,
    Singt von einem neuen Ring
    An der alten Kette.

    Kette, o du klirrend Bild,
    Schreckwort aller Zungen,
    Welch ein Gott hat grausam wild
    Dich ums All geschlungen?
    Daß er seine Sterne wohl
    Vor dem Falle rette,
    Muß der Ewigkeit Symbol
    Bleiben eine Kette?

    Kann der Jahre Trauerschar,
    Herr, dir nicht genügen?
    Wirst du immer, immerdar
    Ring zum Ringe fügen?
    Endigt nie der Menschheit Qual?
    Hebt sie nie ihr Bette?
    Wächst sie nie, der Freien Zahl?
    Wächst nur deine Kette?

    Fragend schaut‘ ich manche Nacht
    Auf zu deinen Hallen;
    Endlich, hab‘ ich oft gedacht,
    Muß die Kette fallen.
    Ach! mein Hoffen trieb im Sturm
    Auf dem letzten Brette,
    Und ward, ein getretner Wurm,
    Auch ein Ring der Kette.

    Herr, o spare deinen Grimm
    Fürder den Tyrannen,
    Einmal mit dem Jahre nimm
    Einen Ring von dannen!
    Gib uns, was wir heiß gesucht,
    Trüg’s auch Dorn und Klette,
    Mindre nur die schwere Wucht
    Deiner goldnen Kette!

    Nimm, die sie so lang umfing,
    Nimm sie von der Erden;
    Laß der Kette letzten Ring
    Freiheitsbrautring werden!
    Höre unser banges Schrein:
    Herr, o Herr, errette,
    Und den Teufel laß allein
    Ewig an der Kette!

    Ja! du wirst. Schon seh‘ ich, traun!
    Neue Sterne ziehen,
    Neue Tempel seh‘ ich baun,
    Neue Völker knieen;
    Donnerklang und Harfenton
    Rufen in die Mette –
    Still! die Engel opfern schon
    Einen Ring der Kette.

    Georg Herwegh

    Abschied vom Walde

    Wie liegst du fromm gebreitet,
    Du lichter grüner Wald!
    Im Gras ein Rehlein weidet,
    Der Schlag der Amsel hallt.
    Wie oft hab` ich geschwärmet
    In dir, du duft`ger Tann,
    Und wenn ich mich gehärmet,
    Du warst nicht schuld daran.

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    Frühlingslüfte wehen leise

    Frühlingslüfte wehen leise,
    Traurig ist das Herz,
    In der unbewußten Weise,
    Doch verwandt dem Schmerz.

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    Wie sich körperlich viele für krank halten

    Wie sich körperlich viele für krank halten, ohne es zu sein,
    so halten umgekehrt geistig sich viele für gesund, die es nicht sind.

    Georg Lichtenberg

    Sehr viele und vielleicht die meisten Menschen

    Sehr viele und vielleicht die meisten Menschen
    müssen, um etwas zu finden,
    erst einmal wissen,
    dass etwas da ist.

    Georg Lichtenberg

    Heiliger Morgen

    Von den Tannen träufelt Märchenduft;
    Leise Weihnachtsglocken sind erklungen –
    Blinkend fährt mein Hammer durch die Luft;
    Denn ein Spielzeug zimmr‘ ich meinem Jungen.

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    Wintermärchen

    Auf dem Baum vor meinem Fenster
    Saß im rauhen Winterhauch
    Eine Drossel, und ich fragte:
    »Warum wanderst du nicht auch?

    Warum bleibst du, wenn die Stürme
    Brausen über Flur und Feld,
    Da dir winkt im fernen Süden
    Eine sonnenschöne Welt?«

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    Herr Luchs spricht keinem Menschen …

    Herr Luchs spricht keinem Menschen
    nach dem Mund,
    und doch gelang es ihm,
    so hoch zu steigen?
    Ja, denn der Schalk versteht
    die fein’re Kunst,
    den großen Herren
    nach dem Mund zu schweigen.

    Otto Ernst

    Die gefangenen Tiere

    Mit schweren Fellen behangen,
    Mit riesigen Hörnern dumpf
    Kommen sie langsam im Dunkel
    Gekrochen auf zottigem Rumpf.

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    Niklaus, Niklaus, huckepack, schenk uns was aus deinem Sack! Schütte deine Sachen aus, Gute Kinder sind im Haus.

    Niklaus, Niklaus, huckepack,
    schenk uns was aus deinem Sack!
    Schütte deine Sachen aus,
    Gute Kinder sind im Haus.

    Der Mond verbarg sich, dunkel ward das Land

    Der Mond verbarg sich, dunkel ward das Land.
    Die Schatten sprangen aus der Büsche Wand.
    Die Wiesen wuchsen grenzenlos und weit
    In tiefe Nacht hinaus und ferne Dunkelheit.

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