Herr Luchs spricht keinem Menschen
nach dem Mund,
und doch gelang es ihm,
so hoch zu steigen?
Ja, denn der Schalk versteht
die fein’re Kunst,
den großen Herren
nach dem Mund zu schweigen.
Otto Ernst
Sprüche, Gedichte, Texte, Zitate – Sammlung
Hier findet Ihr kurze Gedichte, deutsche Reime. Zu verschiedenen Anlässen ein Gedicht oder auch einen Reim in kurz.
Herr Luchs spricht keinem Menschen
nach dem Mund,
und doch gelang es ihm,
so hoch zu steigen?
Ja, denn der Schalk versteht
die fein’re Kunst,
den großen Herren
nach dem Mund zu schweigen.
Otto Ernst
Mensch, bist du klug,
und wilt recht wissen was dein leben,
so merk das wörtlein leben eben;
da hast du gnug.
Seit ich von dir gekostet,
Du labend heller Born!
Dünkt jedes Naß mir trübe
Und leer der Freude Horn.
Bitterböse ist das Leben,
Und vergeblich alles Streben
Nach dem höh’ren Ziel:
Alles bleibt ein Spiel,
Illusionen uns umschweben,
Die sich nie als Wahrheit geben.
Friederike Kempner
Gedenke mir meine Liebe zum Menschen,
Gedenke mir meine Liebe zum Tier,
Und meine bescheidene Entsagung
Gedenk’ es mir dorten und hier.
Friederike Kempner
Ich bin ein Franzose, was mich bitter kränkt,
Geboren in Paris, das bei Pontoise liegt,
An einen klafterlangen Strick gehängt,
Und spür am Hals, wie schwer mein Hintern wiegt.
Francois Villon
Ein treu Gedenken, lieb Erinnern,
das ist die herrlichste der Gaben,
die wir von Gott empfangen haben,
das ist der goldne Zauberring,
der auferstehen macht im Innern,
was uns nach aussen unterging
Friedrich von Bodenstedt
Du sollst reden, nicht viel, aber sinnig;
du sollst beten, nicht lang, aber innig;
Wen liebt ich so wie dich,
geliebter Schatten!
Ich zog dich an mich, in mich – und seitdem
ward ich beinah zum Schatten,
du zum Leibe.
Das Leben träumt, der Traum er lebt!
Seht, wie er hoch am Himmel schwebt,
Des Dichters Traum, des Dichters Sang,
Es ist der Wahrheit goldner Klang!
Friederike Kempner
Das Träumen, Schlafen, Erwachen,
Das ist ja des Lebens Lauf,
Das Träumen ist ja das Schönste,
Nehmt Häßliches mit in den Kauf!
Friederike Kempner
Ich will! – Das Wort ist mächtig,
spricht’s einer ernst und still;
die Sterne reißt’s vom Himmel,
das eine Wort: Ich will!
Friedrich Halm