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    Abendmahl

    Joh. 6, 55.
    Mein Fleisch ist die rechte Speise und
    mein ist der rechte Trank.

    Reicher König, Wirt voll Gnaden,
    Mich verlangt nach deinem Mahl;
    Deine Knechte gingen laden,
    Rufend über Berg und Tal;
    Was da mag an Erdentischen
    Köstliches bereitet sein:
    Herzen kannst nur du erfrischen,
    Seelen sättigst du allein.

    Zwar der Weltlust Goldpokale
    Seh ich hier nicht aufgestellt,
    Finde nichts beim ersten Mahle,
    Was den Sinnen wohlgefällt;
    Doch ein Brot wird hier gebrochen,
    Und ein Trank wird hier gereicht,
    Und ein Gruß wird hier gesprochen,
    Dem kein irdisch Labsal gleicht.

    Eine Königin vor Zeiten
    Pries man mir im Heidenland,
    Die, ein Festmahl zu bereiten,
    Millionen aufgewandt,
    Denn statt Allem, was beim Mahle,
    Fürstenlippen sonst ergötzt,
    War dem Gast nur eine Schale
    Herben Weines vorgesetzt.

    Aber in dem schlechten Tranke,
    Dran der hohe Gast sich stößt,
    Hat sie ihm zu Lieb und Danke
    All ihr Bestes aufgelöst:
    Eine Perle, welcher keine
    Rings in allen Landen gleich,
    Eine Perle schwamm im Weine,
    Wert ein halbes Königreich.

    Doch von deiner Zauberschale,
    buhlerische Königin,
    Wend’ ich mich zum Liebesmahle
    Meines guten Hirten hin,
    Denn in diesem Nachtmahlstücke
    Reicht er mir ein Kleinod dar,
    Eine Perle, gegen welche
    Dein Juwel ein Spielzeug war.

    Diese Perle, unvergleichbar
    Jedem irdischen Gewinn,
    Diese Perle, unerreichbar
    Für den großen Fleischessinn,
    Diese Perle, die mit Bluten
    Mir mein Heiland einst errang,
    Als er aus des Todes Fluten
    Siegreich sich zum Lichte schwang;

    Diese Perle heißet F r i e d e ,
    Friede, den die Welt nicht hat,
    für Schwache, Ruh und Müde,
    für die, so sündenmatt;
    Alles Erdenleid muss schwinden,
    Aller Erdenglanz verglimmt,
    Darf ich diese Perle finden,
    Die im Nachtmahlkelche schwimmt.






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