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Sprüche, Gedichte, Zitate

Wintereinsam

Frühmorgens, auf gefrornen Wegen, Hauche ich Wölkchen vor mir her, Und die ich treffe, eilen schweigend Zur Arbeit, als gäb’s sonst nichts mehr. Kein Vogelsang belebt den Bahnsteig, Kein Wort, nur kalter Lichterschein, Und schwöll nicht hier und da ein Wölkchen, Ich fühlte mich so sehr allein. Hans Munch

Springflutmond

Am Abend setzte Regen ein, Und wusch die Stadt von Menschen leer. Wir ließen Wetter Wetter sein Und strichen durch das Häusermeer. Im Innern brandete ein Wort Und lief sich an dem Schweigen tot. Von See her böte rauer Wind Und irgendwo ging irgendwas Zu Bruch im Springflutmondenschein. Hans Munch

Lange Weile

Er sitzt da. Aus Langeweile Weilt er, weilt wie unter Zwang. Dreht sich manchmal ohne Eile, Und fehlt eine Weile lang. Kehrt alsbald zurück ans Fenster, Wo er sich bequem verschrägt, Und vertreibt die Taggespenster Bis die Turmuhr Abend schlägt. Hans Munch

Leidens Sinn

Das Los trifft dich mit gleicher Härte, Ob du an IHN glaubst oder nicht. Doch dem der glaubt, schlägt’s eine Fährte, An der es anderem gebricht. Hans Munch

Ein Felsenherz

Als Moses in der Seele höchstem Zagen, Um Hülfe flehend, an den Fels geschlagen, Da fühlte Mitleid selbst mit ihm der Stein; Er öffnete des Busens starre Rinde, Und segensreich entströmte voll und linde Den Schmachtenden die Quelle frisch und rein. –

Abendbild

Friedlicher Abend senkt sich aufs Gefilde; Sanft entschlummert Natur, um ihre Züge Schwebt der Dämmerung zarte Verhüllung, und sie Lächelt die Holde; Lächelt, ein schlummernd Kind in Vaters Armen, Der voll Liebe zu ihr sich neigt, sein göttlich Auge weilt auf ihr, und es weht sein Odem Über ihr Antlitz. Nikolaus Lenau

memento mori

Am Tisch vorm Fenster lag ein Blatt, das mir der Wind hereingetragen. Ihm eingebrannt schien ein Poem aus wechselvollen Lebenstagen. Ich las vom Knospen und vom Grünen, von Sonne, Regen, Sturm und Ruh. Vom Schmerz des voneinander Lösens, vom Fall und jenem immerzu … Hans Munch

wund

Das Leiblein ausgerupft, die Blättlein abgezupft, lagst du vor mir. Ich hob dich auf vom Grund und war von dir so wund. Du starbst! Wofür? Hans Munch

Heimweh

So träumerisch blaute der Tag, So warm flaute die Luft, Und klarer als je schien das Licht, Und alles trug ein Duft, Als ob die Sehnsucht Blume wär’, Atmete ich ihr Weh. Mir war, als spräche tief in mir, leis eine Stimme: „Geh!“ Hans Munch

Hausspruch

Hier ist mein Reich. Hier reich ich mir. Hier kennt die Sehnsucht eine Tür. Hier darf ich ganz ich selber sein. Hier redet keiner mir darein. Hier nasch ich von der Muse Frucht, Und bin nicht ständig auf der Flucht. Hier hat nur Zutritt, wer gefällt, Und seinen Frust für sich behält. Hier ist, warum

warnung

kleiner mann hab acht was man mit dir macht laß dein hirn nicht rosten denn du kennst den schlich geht es um die kosten braucht man sicher dich