Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen. Johann Wolfgang von Goethe
Die Laube prangt mit jungem Grün: Es tönen ihre dunkeln Buchen Von Vögeln, die voll Wollust glühn, Von Frühlingstrieben glühn und Scherz und Schatten suchen.
Auf Bergeshöhen schneebedeckt, Auf grünen Hügeln weitgestreckt Erglänzt die Morgensonne; Die tauerfrischten Zweige hebt Der junge Buchenwald und bebt Und bebt in Daseinswonne.
Spukhaftes Wandeln ohne Existenz! Der Asphalt dunkelt und das Gas schmeißt sein Licht auf ihn. Aus Asphalt und Licht wird Elfenbein. Die Straßen horchen so. Riechen nach Lenz.
Nachmittag wird, und Wetter steigen schwarz Herauf. Des Blitzes Ferse leuchtet im Gewölk. Auf das Gebirge beißt voll Grimm Der Donner, und Regen speien aus den Quarz.
Die Vögel zwitschern, die MückenSie tanzen im Sonnenschein,Tiefgrüne feuchte RebenGucken ins Fenster herein. Die Tauben girren und kosenDort auf dem niedern Dach,Im Garten jagen spielendDie Buben den Mädeln nach. Es knistert in den Büschen,Es zieht durch die helle LuftDas Klingen fallender Tropfen,Der Sommerregenduft. Ada Christen (1839-1901)
Vom Erdenstaub zu reinen, blauen LüftenDringt weit der Blick in ersten Frühlingstagen,Und höher steigt der mächt’ge Sonnenwagen,Die Erde sehnt nach Blättern sich und Düften,Und heilige Geschichten uns dann sagenWas sich geahnet in des Herzens Klüften.Er ist erstanden aus den Todesgrüften,Und wie vergebens war der Menschen Zagen,Ja so ersteht die Welt der HimmelsgabenMit jedem Jahre neu,
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; Im Tale grünet Hoffnungsglück; Der alte Winter, in seiner Schwäche, Zog sich in raue Berge zurück.