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    Hochsommer

    Nun glüht der Sommer in der vollsten Pracht,
    Sieh, wie auf dieses Rasens dichten Sammet
    Durch der Platanen dunkelgrüne nacht
    Das warme Gold der Abendsonn flammet!
    Und doch, und doch – auf Sommers höchster Höh
    Durchschauerts mich wie ein geheimes Weh,
    Als sagte schon des Jahres Luft Ade!

    Nun glänzt der farbenreicher Flor,
    Die Sonnenblume hebt ihr Haupt im Garten,
    In Purpur prangt der Georginen Chor,
    Die Malve winkt mit leuchtenden Standarten;
    Und doch, und doch – wie Alles glänzt und glüht,
    Um Eine trauert innig mein Gemüt,
    Die Rose, ach, die Rose hat verblüht!

    Nun ist der ein schattenvoll Gemach,
    Ein Zauberschloss mit hundert grünen Sälen,
    Durch all des Laubwerks dichtgewölbtes Dach
    Kann blitzend kaum ein Sonnenstrahl sich stehlen,
    Und doch, und doch – in diesen Wipfeln all,
    Kein Vogelsang, sein süßer Liederschall,
    Verstummt ist längst die holde Nachtigall!

    Nun reift im Feld des Kornes goldne Frucht,
    Die milde Sonne brütet lauter Segen,
    Die Ähre beugt sich von der eignen Wucht
    Und harrt der Sicher sommermüd entgegen,
    Und doch, und doch – ihr buntgeschmückten Höhn,
    Ein Kleines noch, so sollt ihr öde stehn,
    Und über Stoppeln wird der Herbstwind gehn!

    Nun glänz des Äthers wolkenloses Blau,
    Der Himmel ist der Hochgewitter müde,
    Die Sonne waltet ruhig ob der Au,
    Auf Berg und Tälern träumt ein stiller Friede;
    Und doch, und doch – in Pfingstgewitterluft
    Schlug frischer mir und freudiger die Brust,
    Als unterm Friedenszepter des August.

    Sag an, o Herz, was in des Sommers Pracht
    Mit stiller Schwermut leise dich umschattet? –
    „Dass kaum gedacht, der Lust ein End gemacht,
    Im höchsten Schwung der Flug ermattet,
    Dass nur ein Traum der Rosenzeit,
    Dass wie ein Gras der Herrlichkeit,
    Das füllt im Sommer mir mein Herz mit Leid.“






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