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    Abend-Lied

    Die Sonne birgt nunmehr ihr angenehmes Licht/
    Der Abend will die Welt der Arbeit überheben/
    Es fordert meine Pflicht/
    Dem Höchsten für den des Tages Danck zu geben.

    Was mein Beruff erheischt/ ist wohl zu Ende bracht/
    Leib und Vermögen sind noch frey von allem Schaden/
    Ich kan mich mit der Nacht
    Ohn Unglück und Beschwer der Sorgen-Last entladen.

    Viel/ leyder/ klagen sich verlezt durch Feind und Glutt/
    Und andre fühlen sich bekränckt durch alle Glieder/
    Durch Gottes -Hutt
    Leg ich mich unversehrt zur sanfften Ruhe nieder.

    Wie werd ich dir/ O Gott/ dafür nun danckbar seyn?
    Mein schnödes Hertz ist voll von leeren Eitelkeiten:
    Stell ichs zum Opffer ein/
    So kan ich solches doch nicht nach Gebühr bereiten.

    Mein Auge scheuet sich den Himmel anzusehn/
    Der Abend-Röthe Glantz beschämet meine Wangen/
    Was diesen Tag geschehn/
    Hat Straffe nur verdient (nicht Segen) zu erlangen.

    Doch denck ich an die Nacht/ da mich vertrat
    Für deinem Richter-Stul in tuncklem Oelbergs-Schatten/
    Was er da thät und bat/
    Kömmt mir und aller Welt noch heilsamlich zu statten.

    Die schwere Nacht verbirgt und decket meine Schuld/
    Mein Heyland hat sie selbst gebüsset und begraben/
    Erworben deine Huld/
    Läst mich zu dir in Buß und Glauben Zutritt haben.

    Drum klag ich mich zwar selbst mit bey dir an/
    Glaub aber auch durch dich Verzeihung zu erwerben/
    Wenn meiner Kahn
    Den starcken Ancker fast/ so kan ich nicht verderben.

    Ich dancke für die Gnad entwichner Tages-Zeit/
    Und kan ich diese Nacht derselben auch genüssen/
    Werd ich aus Schuldigkeit/
    Dir neuen Morgen-Danck zu bringen seyn beflissen.

    Hans Aßmann Freiherr von Abschatz






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