Vergessen sah im Buch ich liegenEin Blümchen, das den Duft verlor;Und seltsame Gedanken stiegenIn meiner Seele da empor: Wo blühte es? in welchem Jahre?Wie lange? und wer pflückt‘ es ab?Stak einem Mädchen es im Haare?Warum fand es im Buch sein Grab? Erinnerung an ein Wiedersehen,An eines Abschieds Schmerzgewalt,An einsames SpaziergehenIm stillen Feld, im dunklen Wald?
Geht ein Windhauch durch den weißen Flieder, Hundert Blütensterne regnen nieder. Einer schwebt und fällt auf meine Hand . Bist du eines nahen Glückes Pfand?
S‘ war doch wie ein leises Singen in dem Garten heute Nacht, wie wenn laue Lüfte gingen: „Süße Glöcklein, nun erwacht, denn die warme Zeit wir bringen, eh’s noch jemand hat gedacht.“ – s‘ war kein Singen, s‘ war ein Küssen, rührt die stillen Glöcklein sacht, dass sie alle tönen müssen von der künft’gen bunten
Um Mitternacht Bin ich jäh erwacht. Hufschlag hallte, ein Horn erklang, Daß ich erschreckt ans Fenster sprang. Der Mond schien hell, Und da kam es zur Stell:
Der Himmel wölbt sich rein und blau,der Reif stellt Blumen aus zur SchauAm Fenster prangt ein flimmernder Flor,ein Jüngling steht betrachtend davor.Und hinter den Blumen blühet noch gar,ein blaues, ein lächelndes Augenpaar.Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn!Der Reif wid angehaucht zergehn.Eisblumen fangen zu schmelzen an,und Gott sei gnädig dem jungem Mann! Adalbert von Chamisso (1781-1838)
Es stehn in unserm GartenDer blühenden Rosen genug, Dir blüht, noch schöner als Rosen,Ein Mägdlein so frisch und so jung.Ich habe mit Fleiß gewähletDie schönsten Rosen zum Strauß, Du küssest die rosigen LippenUnd lachst am Ende mich aus. Adalbert von Chamisso (1781-1838)
Ich sahe jüngst, mit fast erstaunten Blicken, Die Sonn‘ im Garten, nach dem Regen, Der Blumen Heer mit heitern Strahlen schmücken, Und ihren reinen Glanz in nasse Blätter prägen.
Die Kinder haben die Veilchen gepflückt, all, all, die da blühten am Mühlengraben. Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest in ihren kleinen Fäusten haben. (Theodor Storm)