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    Meiner Frau zum Geburtstage

    Die Heide, die bei uns zu Land
    Allwärts ihr Grün vergeudet;
    Die Berg und Schlucht und Felsenwand
    Mit starren Büscheln kleidet;
    Die hoch und tief sich blicken läßt,
    Die bring‘ ich dir zu deinem Fest
    In schlichter irdner Scherbe.

    Wo du und ich geboren sind,
    Da rauscht sie allerorten;
    Sie schüttelt sich im Morgenwind
    Vor deiner Wartburg Pforten;
    Sie spiegelt sich in Ilm und Saal‘,
    Und in der Unstrut goldnes Tal
    Herschaut sie vom Kyffhäuser.

    Und auch bei mir mit hellem Schein
    Schmückt sie die Bergeshalde;
    Sie wallt um meinen Externstein
    Und rings im Lipp’schen Walde;
    Da summen Bienen um sie her,
    Und durch ihr rotes Blütenmeer
    Ausschlagend jagt der Senner.

    Der alte Rhein, der Traubenkoch,
    Könnt‘ ihrer Wohl entbehren;
    Doch ward auch ihm die Heide noch
    Zu seinen andern Ehren.
    Wie oft an Forst- und Gründelbach
    Unter der Birke weh’ndem Dach
    Winkt‘ uns ihr schwellend Kissen!

    Da bebt sie spät, da bebt sie früh,
    Da flammt sie durchs Gehölze;
    Da krönt die siebte Mühle sie
    Und auch die Silberschmelze;
    Da krönt sie Brunn und Felsenschlucht –
    O, möge dieser Scherbenhucht
    An alles das dich mahnen!

    Und dann – nicht wahr, seit alter Zeit
    Ist es der Brauch gewesen.
    Daß man aus Pfriemenkraut und Heid
    Gebunden hat den Besen?
    Den Besen, der die Gassen kehrt,
    Der wie ein Wetter niederfährt,
    Wo Staub und Wust sich brüsten!

    So sei dir denn auch noch vertraut,
    Was junge Sagen künden:
    Bald wird aus niederm Heidekraut
    Sich selbst ein Besen binden,
    Ein ries’ger, der der Niedertracht
    Und Sklaverei ein macht
    In und auf Erden!

    Dann wird auch uns zur Wiederkehr
    Der Glocke läuten;
    Dann wird uns keine Scherbe mehr
    Heimat und Herd bedeuten;
    Dann – doch mir schlägt das Herz wie toll!
    Rasch, gieß nur einen Tummler voll.
    Daß ich dich leben lasse!

    Ferdinand Freiligrath, 1849






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