{"id":8997,"date":"2011-04-02T09:29:59","date_gmt":"2011-04-02T07:29:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/ewige-jugend\/"},"modified":"2025-06-18T17:04:46","modified_gmt":"2025-06-18T15:04:46","slug":"ewige-jugend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/ewige-jugend\/","title":{"rendered":"Ewige Jugend"},"content":{"rendered":"\n<p>Die auf den Herren harren, kriegen neue<br>\nKraft, dass sie auffahren mit Fl\u00fcgeln<br>\nwie Adler, dass sie laufen und nicht<br>\nmatt werden, dass sie wandeln und<br>\nnicht m\u00fcde werden.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br>\nWie weit hinab schon trugen dich die Wogen,<br>\nDu meines Lebens leichtgebauter Kahn!<br>\nDie Silberfurche, die dein Kiel gezogen,<br>\nVerschwindet spurlos hinter deiner Bahn,<br>\nDie sch\u00f6nsten Ufer sind vorbeigeflogen<br>\nUnd n\u00e4her geht\u00e2\u20ac\u2122s dem gro\u00dfen Ozean;<br>\nSchon h\u00f6r\u00e2\u20ac\u02dc ich oft mit ahnungsvollem Grausen<br>\nBeim Sternenschein die ferne Brandung drau\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo bist du hin mit deinen Blumenaugen,<br>\nDu Paradies, das einst mich Kind umfing?<br>\nDem tr\u00fcben Blick verschwammst du l\u00e4ngst im Blauen,<br>\nDer lang an dir mit stillem Heimweh hing,<br>\nNur noch im Traum darf ich die Pfade schauen,<br>\nDie leichten Tritts der frohe Knabe ging,<br>\nUnd wach ich auf, so wogt ein schmerzlich\u00e2\u20ac\u02dc Sehnen<br>\nAm Busen nach und steht mein Aug\u00e2\u20ac\u02dc in Tr\u00e4nen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo sind sie hin, die fr\u00f6hlichen Genossen,<br>\nMit denen ich der Jugend Lieder sang?<br>\nWie flogen wir auf leichtgez\u00e4umten Rossen<br>\nDurchs gr\u00fcne Tal den blauen Strom entlang!<br>\nOb manchem ach! hat sich das Grab geschlossen,<br>\nDes\u00e2\u20ac\u02dc Arm sich einst um meinen Nacken schlang,<br>\nVon andern hat das Leben mich getrennet,<br>\nDass keiner mehr des Freundes Sprache kennet.<\/p>\n\n\n\n<p>Und du, mein Herz, f\u00fchlst selbst du nicht stocken<br>\nDen mattern Puls, das abgek\u00fchlte Blut?<br>\nWehn d\u00fcnner nicht schon um die Stirn die Locken?<br>\nJauchzt seltner nicht ein froher Lebensmut?<br>\nErscheint dem Aug\u00e2\u20ac\u02dc die Welt nicht tr\u00fcb und trocken,<br>\nDie einst ihm schwamm in morgenroter Glut?<br>\nWill denn auch nicht das Alter schon beschleichen<br>\nUnd mich lebendig legen zu den Leichen?<\/p>\n\n\n\n<p>Da sei Gott vor! mag auch der Leib verwesen,<br>\nDer Geist wird noch von Tag zu Tag verneut;<br>\nDer Gott, der meiner Jugend Hort gewesen,<br>\nVerk\u00fcndet sich in meiner Brust noch heut;<br>\nWas frommt\u00e2\u20ac\u2122s, die Rosenbl\u00e4tter auszulesen,<br>\nDie schon der Wind am Boden hat verstreut?<br>\nBleibt nur im Stock das Lebensmark erhalten,<br>\nSo wird noch manche Knospe sich entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lebensmark, das lass mir nicht erkalten,<br>\nDen freud\u00e2\u20ac\u2122gen Geist nimm nicht, o Herr, von mir;<br>\nNicht zu den Klugen stell mich, zu den Alten,<br>\nEin Kindlein sitz\u00e2\u20ac\u02dc ich gern zu F\u00fc\u00dfen dir,<br>\nUnd soll das Haar ergrau\u00e2\u20ac\u2122n, die Stirn sich falten:<br>\nEin kindlich Herz, das bleibe meine Zier;<br>\nSprachst du doch selbst: o werdet gleich den Kleinen,<br>\nSonst kann ich euch nicht z\u00e4hlen zu den Meinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kindeslust lass mir an allem Sch\u00f6nen,<br>\nAls deines Kleides buntgewirktem Saum,<br>\nDen offnen Sinn, in Farben und in T\u00f6nen<br>\nDas Ewige zu ahnen als im Traum,<br>\nIn der Geschichte sturmbewegten Szenen<br>\nWie in der Sch\u00f6pfung heitrem Tempelraum,<br>\nIm Fr\u00fchlingswind wie im Gewitterrauschen<br>\nDas Wandeln deiner F\u00fc\u00dfe zu belauschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kindeszorn, der wider alles Schlechte<br>\nSich unverf\u00e4lscht im Innersten sich emp\u00f6rt,<br>\nDas warme Herz, das freudig f\u00fcr das Rechte,<br>\nOb oft entt\u00e4uscht, stets neu zur Fahne schw\u00f6rt,<br>\nDen Jugendmut, der standhaft ins Gefechte,<br>\nOb oft besiegt, doch immer wiederkehrt,<br>\nUnd dem was er erkannt in heil\u00e2\u20ac\u2122gen Stunden,<br>\nTrotz Welt und Zeit in Liebe bleibt verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kindestr\u00e4ne lass mir, die im Leiden<br>\nWie in der Lust aus weichem Herzen quillt!<br>\nDen k\u00fchlen Mann, ich werd ihn nie beneiden,<br>\nDer schroff sich in der Weisheit Mantel h\u00fcllt;<br>\nDieweil ich Mensch, will ich nichts menschlichs meiden<br>\nIn Leid und Freud, bis mein Geschick erf\u00fcllt,<br>\nUnd bis zerriss dies Saitenspiel der Nerven,<br>\nSoll Schmerz und Lust sich in die Saiten werfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kindestrieb lass mir, zu sehn, zu lernen,<br>\nZu wachsen fort in dem, was sch\u00f6n und gut,<br>\nDie Wanderlust, die stets in neue Fernen<br>\nDie Blicke hebt und nie gen\u00fcgsam ruht,<br>\nDen frommen Schwung, der zu den h\u00f6chsten Sternen<br>\nDie Fl\u00fcgel dehnt mit jugendlicher Glut;<br>\nNie Meister will ich sein, mit Lernen fertig,<br>\nNein, Sch\u00fcler stets, noch h\u00f6hern Lichts gew\u00e4rtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und eins, mein Gott, dass keine Zeit mir raube,<br>\nNicht mit Gewalt und nicht mit leisem Trug,<br>\nDas bleibe mir: der fromme Kinderglaube,<br>\nDer himmelan sich schwingt mit frohem Flug,<br>\nDer hundertmal sich frisch erhebt vom Staube,<br>\nWenn hundertmal die Welt ihn niederschlug;<br>\nDer Glaube an ein heilig Walten droben,<br>\nWie auch die Feinde spotten oder toben.<\/p>\n\n\n\n<p>In solchem Glauben wurzle mir die Liebe,<br>\nDie kindlich warm, was Mensch sich nennt, umfasst,<br>\nDie, ob die Welt mit unbarhmherz\u00e2\u20ac\u2122gen Hiebe<br>\nIhr abgehau\u00e2\u20ac\u2122n manch sch\u00f6nen Bl\u00fctenast,<br>\nNur st\u00e4rkre Zweige treibt und bessre Triebe<br>\nUnd l\u00e4chelnd segnet, wo man sie gehasst,<br>\nUnd sterbend noch den Samen um sich streuet<br>\nZu Saaten, deren sich die Nachwelt freuet.<\/p>\n\n\n\n<p>Drauf bitt\u00e2\u20ac\u02dc ich noch: lass mir ein kindlich Hoffen,<br>\nDas hellen Augs in dunkle Zukunft schaut,<br>\nDas \u00fcber Wolken sieht den Himmel offen<br>\nDem hinter Bergen noch ein Eden blaut,<br>\nDas, wenn kein irdisch Haus der Blitz getroffen,<br>\nIm Himmel k\u00fchn sich bessre H\u00fctten baut,<br>\nUnd fr\u00f6hlich spricht: ob ich gleich fall\u00e2\u20ac\u02dc und sterbe,<br>\nDort oben gl\u00e4nzt mein ewig Teil und Erbe!<\/p>\n\n\n\n<p>So bleib ich Kind, so sprech ich zu den Jahren:<br>\nFahrt hin, mich streift nur eurer Fl\u00fcgel Schwung;<br>\nEin J\u00fcngling bl\u00fch ich noch in Silberhaaren,<br>\nDenn Gottes Gnade macht mich t\u00e4glich jung,<br>\nUnd einst mit Fl\u00fcgeln will ich aufw\u00e4rts fahren<br>\nAm gro\u00dfen Tage der Verwandelung,<br>\nDa wird mein Gott mir Leib und Seel verj\u00fcngen,<br>\nEin Kind des Lichts mich himmelan zu schwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Karl von Gerok<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, 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