{"id":8773,"date":"2011-03-19T08:55:38","date_gmt":"2011-03-19T06:55:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/fruehling-julius-wolff\/"},"modified":"2025-06-18T12:12:38","modified_gmt":"2025-06-18T10:12:38","slug":"fruehling-julius-wolff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/fruehling-julius-wolff\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchling (Julius Wolff)"},"content":{"rendered":"\n<p>Manch finstre N\u00e4chte w\u00e4hrt das Wehen<br>\nMit Tropfenfall und Wetterschlag,<br>\nUnd redlich plagt sich jeder Tag,<br>\nDen Wind soweit herum zu drehen,<br>\nDa\u00df er die Wolken seitw\u00e4rts schiebt<br>\n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br>\nUnd endlich blauen Himmel giebt.<br>\nDann aus dem rein gefegten Haus<br>\nTritt auch die liebe Sonn&#8216; heraus<br>\nUnd streut verschwenderisch ihr Gold<br>\nAll den Millionen, die drum betteln,<br>\nAls ob sie&#8217;s l\u00e4chelnd, Allen hold,<br>\nAn einem Tage wollt&#8216; verzetteln.<br>\nIm Wald, dem eben noch so dunkeln,<br>\nHebt nun ein Flimmern an, ein Glast<br>\nUnd ein geheimni\u00dfvolles Funkeln<br>\nAls wie in einem Feenpalast.<br>\nEs treibt mit Macht und w\u00e4chst und quillt,<br>\nDie schlanke Buchenknospe schwillt,<br>\nBraunr\u00f6thlich gl\u00e4nzen ihre Schuppen,<br>\nDas Junge m\u00f6chte sich entpuppen,<br>\nAus eingeschachtelten Gelenken<br>\nSein zartbewimpert F\u00e4hnlein schwenken;<br>\nDenn Andre bl\u00fchen schon, bevor<br>\nEin Bl\u00e4ttchen zeigt sein lauschend Ohr.<br>\nDie Erle und die Haselnu\u00df,<br>\nDas sind die Ersten aus den Windeln,<br>\nSie strecken fr\u00fch am jungen Schutz<br>\nDie locker aufgeschloss&#8217;nen Spindeln.<br>\nDa h\u00e4ngen nun zu drei und vier<br>\nDie braunen und die gelben K\u00e4tzchen,<br>\nUnd dicht am Reis, verborgen schier,<br>\nAm lauschig wohlgesch\u00fctzten Pl\u00e4tzchen<br>\nDuckt sich der Hasel Bl\u00fcthenweibchen<br>\nUnd tr\u00e4gt auf seinem runden Leibchen<br>\nGleich einem hochgebundnen Zopf<br>\nBlutrothen Federbusch am Schopf.<br>\nIn blendend Linnen, klar wie Schnee,<br>\nH\u00fcllt sich der schwarze Dorn der Schleh,<br>\nDie Espe spinnt sich weiche Seide<br>\nZu langen Schw\u00e4nzen, kraus gelockt,<br>\nDie Ulme bl\u00fcht, und auch die Weide<br>\nIhr wollig Silbersch\u00e4fchen flockt.<br>\nNur Eiche ist noch kahl und wirr,<br>\nIhr knickig Sparrwerk und Geschirr<br>\nH\u00e4lt an dem \u00e4u\u00dfersten Ge\u00e4st<br>\nIhr vorigj\u00e4hrig Herbstlaub fest,<br>\nFahlgrau, verf\u00e4rbt, verschrumpft, zerknittert,<br>\nZu z\u00e4hem Leder schon verwittert.<br>\nDoch wenn auch sie die Knospen spaltet<br>\nUnd ihr gezacktes Blatt entfaltet,<br>\nDann gl\u00e4nzt es in der Eichenkrone,<br>\nAls ob an jedem jungen Trieb<br>\nMit gr\u00fcnlich goldnem Farbentone<br>\nEin Fr\u00fchrothschimmer haften blieb<br>\nUnd wo des Waldes Boden frei<br>\nVon welkem Laub und Nadelstreu,<br>\nWebt sich ein Teppich Zoll bei Zoll,<br>\nNatur nimmt gern den Pinsel voll,<br>\nSchattirt und malt ihr Fr\u00fchlingskleid<br>\nUnd schm\u00fcckt sich wie zum Tanz die Maid.<br>\nWer in das junge Gr\u00fcn so schaut,<br>\nIn dichtes Gras und duftig Kraut<br>\nAuf einsam stillem Waldespfad,<br>\nDem ist&#8217;s wie ein erquickend Bad,<br>\nDarein er tief die Blicke taucht<br>\nUnd hierhin l\u00e4\u00dft und dorthin schweifen,<br>\nAls wollt&#8216; er, weil sein Herz sie braucht,<br>\nDie Farbe mit den Augen greifen.<br>\nDa find&#8217;t er. Was er nicht gesucht,<br>\nEin kleines blaues Wunder lugt<br>\nVerstohlen aus dem Gr\u00fcn, ganz nah \u00e2\u20ac\u201c<br>\nAch! erstes Veilchen, bist du da?<br>\nGegr\u00fc\u00dft, gegr\u00fc\u00dft, o Violett,<br>\nIn deinem weichen Kr\u00e4uterbett!<br>\nJa, bl\u00fche, fr\u00f6hlich M\u00e4rzenkind,<br>\nUnd z\u00fcrne nicht dem Dieb, dem Wind,<br>\nDer schmeichelnd, kosend dich umspielt<br>\nUnd mit dem Duft, den er dir stiehlt,<br>\nDie holden Schwestern lockt hervor,<br>\nDen ganzen, bunten Blumenflor.<br>\nHornk\u00f6pfchen f\u00e4ngt den Reigen an<br>\nMit Moschuskraut und B\u00e4rentraube,<br>\nSteinsame, blauer Gundermann<br>\nUnd Purpurnessel dann, die taube,<br>\nMaigl\u00f6ckchen, Himmelsschl\u00fcsselein,<br>\nMa\u00dflieb, Windr\u00f6schen bl\u00fchn, die wei\u00dfen<br>\nErdrauch, Sinngr\u00fcn, Gedenke mein,<br>\nGoldmilz, und wie sie Alle hei\u00dfen,<br>\nDie Erstling&#8216; in dem vollen Kranz,<br>\nWomit der Wald sich festlich g\u00fcrtet,<br>\nEh&#8216; er die Spielleut&#8216; ruft zum Tanz<br>\nUnd seine G\u00e4ste reich bewirthet.<br>\nDazu erscheint dann flink und froh<br>\nAuch kleines Volk, das darf nicht fehlen,<br>\nEs kommt zu Hauf und mu\u00df sich so<br>\nZu sagen in das Leben stehlen.<br>\nEs h\u00f6rt das Wachsen, und die Brut<br>\nErwacht der flatterhaften Kerfen,<br>\nDie eingesargt bisher geruht,<br>\nNun ihre H\u00fcllen von sich werfen.<br>\nEs schl\u00fcpft aus welker Bl\u00e4tter Falten,<br>\nEs zappelt und es schwirrt sich los,<br>\nZw\u00e4ngt sich hervor aus engen Spalten<br>\nUnd gr\u00e4bt sich aus der Erde Scho\u00df.<br>\nZu dem Gewimmel kleiner W\u00fchler<br>\nIn Moos und Gras, an Baum und Blatt<br>\nZ\u00e4hlt Alles, was am Kopfe F\u00fchler<br>\nUnd mindestens sechs Beine hat,<br>\nMit Doppelfl\u00fcgeln, kurzen, langen<br>\nAus Netz und Schuppen, Haut und Horn,<br>\nBewehrt mit R\u00fcssel oder Zangen,<br>\nGiftdr\u00fcse, Stachel oder Dorn.<br>\nDoch die unz\u00e4hlige Gemeinde,<br>\nDie aufersteht und fri\u00dft und stirbt,<br>\nHat eine Schaar beschwingter Feinde,<br>\nDie sie verfolgt, fa\u00dft und verdirbt.<br>\nDas sind leichtherzige Vaganten,<br>\nStets aus der Jagd, stets auf dem Fang,<br>\nDie lieben, klugen Allbekannten,<br>\nDie kommen nun mit Sang und Klang.<br>\nEs geht ein Schmettern durch den Wald:<br>\nFr\u00fchling! so hei\u00dft&#8217;s vom Zweige h\u00fcben,<br>\nUnd lustig kommt die Antwort bald:<br>\nFr\u00fchling! Fr\u00fchling! so ruft&#8217;s auch dr\u00fcben.<br>\nDer Eine hat bei knappem Brot<br>\nSich ehrlich hungernd durchgeschlagen<br>\nDurch Winters Elend, Angst und Noth<br>\nUnd vor der R\u00e4uber scharfem Jagen.<br>\nDer Andere hausirt&#8216; und strich<br>\nWie ein Zigeuner durchs Gel\u00e4nde,<br>\nWo sich ein Tischchendeckedich<br>\nVon Gottes Gnaden f\u00fcr ihn f\u00e4nde.<br>\nDer Dritte kommt weit \u00fcbers Meer<br>\nWohl nach erm\u00fcdend langem Fluge,<br>\nSieht er den Nach von Eise leer,<br>\nIst er zufrieden mit dem Zuge.<br>\nSie treffen sich von fern und nah,<br>\nUnd Einer fragt vergn\u00fcgt den Andern:<br>\n\u00c2\u00bbWie geht&#8217;s? wie steht&#8217;s? bist wieder da?<br>\nWie ist bekommen dir das Wandern?\u00c2\u00ab<br>\nWie der erst rechts das Beinchen reckt<br>\nGanz weit nach hinten und behaglich<br>\nDen Fl\u00fcgel lang dar\u00fcber streckt<br>\nUnd dann auch links, spricht er: \u00c2\u00bbErtr\u00e4glich!\u00c2\u00ab<br>\nUnd dreht und plustert sich und blickt<br>\nKeck wie ein S\u00e4nger von der B\u00fchne,<br>\nWetzt seinen Schnabel, wippt und nickt<br>\nUnd schmettert lustig Eins ins Gr\u00fcne.<br>\nDes Nadelwaldes rother Sohn<br>\nAm Kiefernzapfen h\u00e4ngt kopfunter,<br>\nDer Nagelschmiede Schutzpatron<br>\nKreuzschnabel ist am fr\u00fchsten munter.<br>\nEr denkt zuerst an junge Brut,<br>\nSitzt auf des Wipfels Kronentriebe<br>\nUnd schnurrt sein Liedlein schlecht und gut<br>\nDer Auserw\u00e4hlten seiner Liebe.<br>\nDie Meise zirpt von Ast zu Ast,<br>\nStieglitz und H\u00e4nfling kommt und Zeisig,<br>\nZaunk\u00f6nig g\u00f6nnt sich nimmer Rast,<br>\nSchl\u00fcpft durch der Hecke Dornenreisig<br>\nBuchfink zum Doppelschlage stimmt,<br>\nSchwarzdrossel ruft, ob Alle schwiegen,<br>\nGoldh\u00e4hnchen zwitschert, Gr\u00fcnspecht klimmt<br>\nHolzhackend, da\u00df die Sp\u00e4ne stiegen.<br>\nEs zittern im Gesang und schnelln<br>\nDie kleinen Kehlen auf und nieder,<br>\nAus jeder Vogelseele quelln<br>\nNun tiefempfundne Liebeslieder.<br>\nUnd ist geworben und gefreit,<br>\nLie\u00df sich vom Lenz das P\u00e4rchen trauen,<br>\nSo geht&#8217;s in edlem Wettestreit<br>\nAns kunstgerechte Nesterbauen.<br>\nEs st\u00f6rt sie nicht, da\u00df aus dem Horst<br>\nDen Wald durchschallt des Sperbers Schrei,<br>\nIn Schraubenlinien \u00fcberm Forst<br>\nHoch schwebt und stolz der Gabelweih.<br>\nDer sp\u00e4ht in eine Felsenbucht,<br>\nAus der es ihm verlockend duftet,<br>\nUnwegsam ist die finstre Schlucht,<br>\nZu tiefen Hohlen ganz zerkl\u00fcftet.<br>\nDa liegen mit der Ballen Filz<br>\nUralte windgebrochne Fichten,<br>\nUnd Flechten wuchern, Schwamm und Pilz<br>\nAm faulen Stamm in dicken Schichten.<br>\nDer Brombeer rankendes Genist<br>\nZieht um die Wildni\u00df dichte Hecken,<br>\nFarrnwedel eingerollt noch ist<br>\nIn br\u00e4unlich rauhbehaarte Schnecken.<br>\nHier haust der B\u00e4r, verl\u00e4\u00dft sein Loch,<br>\nErhebt sich auf den Hinterbranten,<br>\nVom langen Fasten mager noch,<br>\nUnd wittert um die Felsenkanten.<br>\nUnd was im Winterschlafe lag<br>\nUnd an dem eignen Fette zehrte,<br>\nDas kommt hervor am warmen Tag,<br>\nDer vor des Lagers Th\u00fcre kehrte.<br>\nDer Dachs schleicht wurzelnd aus dem Bau<br>\nUnd l\u00f6ste seines Hauses Riegel,<br>\nMi\u00dftrauisch windend durch den Thau<br>\nKommt angeschnuppert auch der Igel.<br>\nUnd die gescharrt im tiefen Schnee<br>\nUnd hungrig hofften, da\u00df er schmelze,<br>\nSie letzen sich am jungen Klee<br>\nUnd f\u00e4rben anders ihre Pelze.<br>\nBlattknospen \u00e4st das Edelwild,<br>\nDer Zwanzig-Ender hat geworfen,<br>\nDie Sau reibt ihres Blattes Schild<br>\nAn moosbewachsnen Eichenschorfen.<br>\nUnd wo sie wechseln, wo sie gehn,<br>\nIst&#8217;s gr\u00fcn geworden auf den Bahnen,<br>\nIm duft&#8217;gen Morgenwinde wehn<br>\nZum Fr\u00fchlingseinzug alle Fahnen.<br>\nNun w\u00f6lbt der Wald sein laubig Zelt<br>\nIm Sonnenschein, im Glanz der Sterne,<br>\nUnd eine lebensvolle Welt<br>\nDehnt er sich in die blaue Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tage schwinden und die Wochen,<br>\nMit Sang und Klang zog ab der Mai,<br>\nWer z\u00e4hlt die Knospen, die erbrochen?<br>\nWer sagt, ob&#8217;s Lenz, ob&#8217;s Sommer sei?<br>\nDen schattenk\u00fchlen Wald durchstreifet<br>\nEin J\u00e4ger in des Grafen Pflicht,<br>\nAn Wuchse fast zum Mann gereifet,<br>\nEin J\u00fcngling noch von Angesicht.<br>\nDas blickt frischfrei aus braunem Kragen,<br>\nDer ihm um Hals und Schultern liegt<br>\nUnd \u00fcbers Haupt hinaufgeschlagen,<br>\nSich dicht um Kinn und Wange schmiegt.<br>\nSein Kleid ein schlichtes Wamms von Leder?<br>\nArmbrust und Jagdspie\u00df sein Gestell,<br>\nSein Schmuck Hifthorn und Habichtsfeder<br>\nUnd an der Kappe Otterfell.<br>\nSo ist er waidlich ausger\u00fcstet<br>\nZum Kampfe wie zu gutem Fang,<br>\nDoch scheint es nicht, da\u00df ihn gel\u00fcstet<br>\nNach Beute auf dem stillen Gang.<br>\nEr will nicht jagen, will nicht birschen,<br>\nDas w\u00fc\u00dfte man ihm wenig Dank,<br>\nEr sp\u00fcret nicht den edlen Hirschen<br>\nUnd folgt nicht seinem Schritt und Schrank,<br>\nNur auf den Wilddieb will er fahnden,<br>\nDer j\u00fcngst das Schmalthier abgethan,<br>\nDen schweren Frevel will er ahnden,<br>\nSei&#8217;s Aug&#8216; um Auge, Zahn um Zahn,<br>\nDoch sollte sich ihm Raubzeug stellen,<br>\nSei es befiedert, sei&#8217;s behaart,<br>\nDarauf w\u00fcrd&#8216; er den Bolzen schnellen,<br>\nGern h\u00e4tt&#8216; er eines Luchses Bart,<br>\nGern w\u00fc\u00dft&#8216; er, ob noch mit den Jungen<br>\nDer Fuchs bewohnt den alten Bau;<br>\nEr schleicht sich an, und bald gesprungen<br>\nKommt aus der R\u00f6hre F\u00fcchslein schlau.<br>\nZwei Andre folgen, und sie spielen<br>\nGanz lustig, unbek\u00fcmmert hier,<br>\nDem J\u00e4ger zuckt die Hand zum Zielen,<br>\nJedoch bezwingt er die Begier.<br>\nNur Einen kann sein Pfeil zerspalten,<br>\nDann w\u00fcrde in der n\u00e4chsten Nacht<br>\nDie ganze Sippschaft Umzug halten,<br>\nUnd um die Zwei w\u00e4r&#8216; er gebracht.<br>\nVersteckt sieht er die F\u00fcchslein h\u00fcpfen,<br>\nWie eins das Andre t\u00e4ppisch packt,<br>\nKopf\u00fcber st\u00fcrzt, zerrt, l\u00e4\u00dft entschl\u00fcpfen,<br>\nIn Lauf und Lunte zwickt und zwackt.<br>\nDoch pl\u00f6tzlich in den Bau sie fahren,<br>\nEr steht verwunderten Gesichts, \u00e2\u20ac\u201c<br>\nFuchsnasen wittern wohl Gefahren,<br>\nDu, lieber Waidmann, merkst noch nichts,<br>\nUnd doch bist du es, dem sie drohen,<br>\nDem F\u00fcchslein nicht im tiefen Grund,<br>\nO w\u00e4rst du selber doch entflohen,<br>\nWaidmann, jetzt wirst du waidewund!<br>\nDer J\u00e4ger spannt, l\u00e4\u00dft n\u00e4her kommen,<br>\nWas kommen will, regt nicht ein Glied,<br>\nUnd \u00e2\u20ac\u201c &#8217;s ist Gesang, was er vernommen,<br>\nHell durch den Wald erklingt ein Lied.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4chst ein Kraut im K\u00fchlen,<br>\nWo Vollmondstrahl geruht<br>\nUnd wer es tr\u00e4gt, mu\u00df f\u00fchlen,<br>\nWie Lieb&#8216; im Herzen thut.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fc\u00dft&#8216; ich den Platz, den rechten,<br>\nVom Kraut im gr\u00fcnen Wald,<br>\nWollt&#8216; ich&#8217;s ins Str\u00e4u\u00dflein flechten,<br>\nEinem stolzen Knaben bald.<\/p>\n\n\n\n<p>Und k\u00e4m&#8216; er dann zur Linde<br>\nIm Dorfe, wollt&#8216; ich sehn,<br>\nWie&#8217;s mit dem Angebinde<br>\nDem Knaben w\u00fcrd&#8216; ergehn.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Bl\u00e4ttchen, abgerissen,<br>\nTr\u00fcg&#8216; ich wohl auf der Brust,<br>\nM\u00f6cht&#8216; selber gerne wissen,<br>\nOb&#8217;s Leid bringt oder Lust.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwarzspecht, mit deinen Gaben<br>\nSchaff&#8216; mir das Kraut heran<br>\nUnd zeig&#8216; mir auch den Knaben,<br>\nDem ich es schenken kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Da bricht es ab; sie sehn sich Beide;<br>\nSie f\u00e4hrt zusammen, doch sie denkt:<br>\nDer Waidmann thut dir nichts zu Leide,<br>\nUnd weiter sie die Schritte lenkt.<br>\nDoch barsch vertritt er ihr die Wege:<br>\n\u00c2\u00bbWoher? wohin? sag&#8216; mir zur Stell,<br>\nWas schaffst du hier im Forstgehege?\u00c2\u00ab<br>\nDa stockt ihm schon der Fragen Quell,<br>\nDenn aus des M\u00e4dchens blauem Auge<br>\nLacht&#8217;s Fr\u00fchling! wie die Knosp&#8216; am Strauch,<br>\nWie schlecht zum Zorn auch L\u00e4cheln tauge,<br>\nIn seinem Antlitz sonnt es auch.<br>\nBald endet das versch\u00e4mte Schweigen<br>\nDie bl\u00fchende Maid und spricht vertraut<br>\nAufs K\u00f6rbchen deutend: \u00c2\u00bbWill dir&#8217;s zeigen,<br>\nIch suche nur Karwendelkraut;<br>\nGro\u00dfm\u00fctterlein braucht&#8217;s zum Bestreichen,<br>\nIn ihm steckt wunderbare Kraft,<br>\nEs stillt das Blut, und Schmerzen weichen,<br>\nKocht man beim Vollmond seinen Saft.\u00c2\u00ab<br>\nDer J\u00fcngling h\u00f6rt kaum, was sie plaudert,<br>\nUnd auch ins K\u00f6rbchen schaut er nicht,<br>\nEr blickt nur, wie er steht und zaudert,<br>\nIn ihr holdselig Angesicht.<br>\n\u00c2\u00bbWie hei\u00dft du?\u00c2\u00ab fragt er, sie berichtet:<br>\n\u00c2\u00bbIch hei\u00dfe Waldtraut, dort hinaus,<br>\nWo sich der Wald im Thale lichtet,<br>\nSteht meines Vaters kleines Haus.<br>\nEr hat sein Brod vom Kohlenbrennen,<br>\nDu bist noch neu hier, aber bald<br>\nLernst du den K\u00f6hler Volrat kennen,<br>\nWir sind Tag ein, Tag aus im Wald.\u00c2\u00ab<br>\nSie gehn selbander unterdessen<br>\nUnd wissen Beide nicht, wohin,<br>\nDenn Jeder hat nur, selbstvergessen,<br>\nDes Andern Gegenwart im Sinn.<br>\nUnd immer wieder schau&#8217;n sich Beide<br>\nIns jugendstrahlende Gesicht,<br>\nO wundervolle Augenweide,<br>\nDu lockst wie w\u00e4rmend Sonnenlicht!<br>\nWer war der Fr\u00fchling nun im Walde?<br>\nWar es am Busch das junge Gr\u00fcn?<br>\nDer V\u00f6gel Sang an Hag und Halde?<br>\nWar es der Blumen Duft und Bl\u00fchn?<br>\nWar es von diesen Beiden Einer?<br>\nUnd welcher dann? er oder sie?<br>\nAch nein! von Beiden war es Keiner,<br>\nDer Fr\u00fchling waren er und sie.<br>\nWie Knospen brechen, Bl\u00e4tter sprossen,<br>\nIn eines milden Tages Lauf<br>\nZum Leben neu geweckt, so schlossen<br>\nSich unschuldsvoll zwei Herzen auf.<br>\nUnd bl\u00fchend unter gr\u00fcnen Zweigen,<br>\nBesch\u00fctzt, beschirmt im Waldesraum,<br>\nGing er dahin in s\u00fc\u00dfem Schweigen,<br>\nDer jungen Liebe Fr\u00fchlingstraum.<br>\nNun scheiden sie. \u00c2\u00bbAuf Wiedersehen,<br>\nWaldtraut!\u00c2\u00ab spricht er, dr\u00fcckt ihr die Hand,<br>\n\u00c2\u00bbWo wird der erste Meiler stehen?\u00c2\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c2\u00bbIm Schlage, wo der letzte stand.\u00c2\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c2\u00bbWaldtraut, auch bei den alten Buchen<br>\nWie heute, bei dem Fuchsbau da,<br>\nKommst du bald wieder Kr\u00e4uter suchen?\u00c2\u00ab<br>\nUnd l\u00e4chelnd nickt sie: \u00c2\u00bbLudolf, ja!\u00c2\u00ab<br>\nEs blicket Einer nach dem Andern<br>\nSich winkend um manch liebes Mal,<br>\nEr mu\u00df noch \u00fcber Berge wandern,<br>\nDoch ihr Weg f\u00fchrt hinab ins Thal.<br>\nEr kommt an eine hohe Klippe,<br>\nErsteigt sie mit beschwingtem Fu\u00df<br>\nUnd setzt das Hifthorn an die Lippe<br>\nUnd bl\u00e4st ihr einen Waidmannsgru\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Julius Wolff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manch finstre N\u00e4chte w\u00e4hrt das Wehen Mit Tropfenfall und Wetterschlag, Und redlich plagt sich jeder Tag, Den Wind soweit herum zu drehen, Da\u00df er die Wolken seitw\u00e4rts 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