{"id":7512,"date":"2010-12-18T12:00:47","date_gmt":"2010-12-18T10:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/die-beiden-liebenden\/"},"modified":"2025-06-17T18:21:05","modified_gmt":"2025-06-17T16:21:05","slug":"die-beiden-liebenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/die-beiden-liebenden\/","title":{"rendered":"Die beiden Liebenden"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein andrer werb um Ehr und Gold!<br>\nIch werb um Liebe bei Selinden.<br>\nMich kann allein ihr s\u00fc\u00dfer Sold<br>\nAn allgetreue Dienste binden.<br>\nDas Gl\u00fcck l\u00e4\u00dft manchen Ehrenmann<br>\nIn seinem Dienst umsonst verderben.<br>\nAllein bei treuer Liebe kann<br>\nDer Hirt auch sichern Sold erwerben.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br>\nIch bin kein gro\u00dfer reicher Herr,<br>\nUnd sie ist keine hohe Dame.<br>\nDagegen klingt viel reizender<br>\nEin kurzer sch\u00e4ferlicher Name.<br>\nDagegen herzen wir uns frei,<br>\nSind sicher vor Verr\u00e4tert\u00fccken,<br>\nAuch schielet keine Sp\u00f6tterei,<br>\nWann wir uns Knie und H\u00e4nde dr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prunk der hochstaffierten Kunst,<br>\nSelbst die Natur im Feierkleide,<br>\nBerauben nie sie meiner Gunst,<br>\nDenn sie besch\u00e4mt an Reizen beide.<br>\nDas tausendstimmige Konzert<br>\nDer Lerchen und der Nachtigallen<br>\nIst mir kaum halb so lieb und wert,<br>\nWann ihre Solotriller schallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Denken ist sie Pallas ganz,<br>\nUnd Juno ganz am edlen Gange,<br>\nTerpsichore beim Freudentanz,<br>\nEuterpe neidet sie im Sange;<br>\nIhr weicht Aglaja, wann sie lacht,<br>\nMelpomene bei sanfter Klage,<br>\nDie Wollust ist sie in der Nacht,<br>\nDie holde Sittsamkeit bei Tage.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Morgens, welch ein Malerbild!<br>\nWallt sie hervor in leichtem Kleide,<br>\nNoch ungeschn\u00fcrt, und halb verh\u00fcllt<br>\nNur in ein M\u00e4ntelchen von Seide.<br>\nEntringelt auf die Schulter sinkt<br>\nDie H\u00e4lfte goldner Locken nieder.<br>\nWie dann ihr rasches Auge blinkt,<br>\nSo blinkt das Licht aus Quellen wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Natur und Einfalt helfen ihr,<br>\nAn ihrem kleinen Morgentischchen.<br>\nDes Busens und des Hauptes Zier<br>\nSind Ros\u00e2\u20ac\u2122 und Myrt\u00e2\u20ac\u2122 in einem B\u00fcschchen.<br>\nZu ihren Wangen wurde nie<br>\nEin Pinsel in Karmin getauchet;<br>\nUnd doch, wie Rosen, bl\u00fchen sie,<br>\nVon Fr\u00fchlingsodem aufgehauchet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann sie an ihrem Tischchen sitzt,<br>\nSo werd ich scherzend hingewinket:<br>\n\u00c2\u00bbKomm, schm\u00fccke selbst dein M\u00e4dchen itzt,<br>\nWie deiner Laun\u00e2\u20ac\u2122 am besten d\u00fcnket!\u00c2\u00ab<br>\nUnd mich befl\u00fcgelt ihr Gebot,<br>\nSie unvermutet zu umfangen.<br>\nDann schminkt mit hohem Morgenrot<br>\nMein Ku\u00df die jugendlichen Wangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Haar im Nacken reizet mich<br>\nZu hundert kleinen Torenspielen.<br>\nFast nimmerm\u00fcde l\u00e4\u00dft es sich<br>\nIn diesen seidnen Locken w\u00fchlen.<br>\nSie \u00e4ugelt nach dem Spiegel hin,<br>\nBelauschet meine Neckereien;<br>\nSie schilt, da\u00df ich ein T\u00e4ndler bin,<br>\nUnd freut sich doch der T\u00e4ndeleien.<\/p>\n\n\n\n<p>Drauf leg ich ihr die Schn\u00fcrbrust an.<br>\nVor Wonne beben mir die H\u00e4nde.<br>\nDas Band zerrei\u00dft, so oft es kann,<br>\nDamit die Arbeit sp\u00e4ter ende.<br>\nWie flink bin ich nicht stets bereit,<br>\nSo liebe Dienste zu verrichten!<br>\nDoch flinker noch, zur Abendzeit,<br>\nDas Werk des Morgens zu zernichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun schlinget meine k\u00fchne Hand &#8211;<br>\nO Liebe, Liebe, welche Gnade! &#8211;<br>\nEin sanftgeflammtes Rosenband<br>\nIhr zierlich zwischen Knie und Wade.<br>\nWie mir das Blut zu Herzen st\u00fcrzt!<br>\nNicht sch\u00f6ner wies sie Atalante,<br>\nDa sie ums Jawort, hochgesch\u00fcrzt,<br>\nMit ihren Freiern wetterannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun schwebt die Grazie vor mir,<br>\nSchl\u00e4gt mit den Silberf\u00fc\u00dfchen Triller,<br>\nUnd tanzet hin an das Klavier,<br>\nUnd singt ein Lied, nach Wei\u00df, von Miller.<br>\nMit welcher Wollustf\u00fclle schwellt<br>\nMein Herz der Zauber ihrer Kehle!<br>\nHinweg, aus aller Gotteswelt,<br>\nGen Himmel singt sie meine Seele!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Morgen eilt, man wei\u00df nicht wie.<br>\nZur Mahlzeit ruft die K\u00fcchenschelle.<br>\nIhr gegen\u00fcber, Knie an Knie,<br>\nUnd Fu\u00df an Fu\u00df, ist meine Stelle.<br>\nHier treiben wir\u00e2\u20ac\u2122s, wie froh und frei!<br>\nUns fesselt kein verw\u00fcnschter Dritter.<br>\nDie beste F\u00fcrstenschmauserei<br>\nIst gegen solch ein Schm\u00e4uschen bitter.<\/p>\n\n\n\n<p>Selinde schenkt mir Nektar ein.<br>\nErst aber mu\u00df sie selber nippen.<br>\nHierauf kredenzet sie den Wein,<br>\nMit ihren s\u00fc\u00dfen Purpurlippen.<br>\nDer Pfirsich, dessen zarten Flaum<br>\nIhr reiner Perlenzahn verwundet,<br>\nWie l\u00fcstern macht er Zung und Gaum!<br>\nWie s\u00fc\u00df mir dieser Pfirsich mundet!<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Tische l\u00e4\u00dft auf ihrer Brust<br>\nMein hingesunknes Haupt sich wiegen.<br>\nVon Wein berauschet und von Lust,<br>\nWill schier die Sprache mir versiegen.<br>\nEin volles Herz gibt wenig Klang;<br>\nDas leere klingt aus allen T\u00f6nen.<br>\nSie f\u00fchlet dennoch seinen Drang;<br>\nUnd ach! versteht sein stummes Sehnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt wird der Holden bang ums Herz.<br>\nEin M\u00e4dchen ist ein banges Wesen.<br>\nSie reichet mir, aus losem Scherz,<br>\nVerwirrten Zwirn, ihn aufzul\u00f6sen.<br>\nZwar findet sie mich ungeschickt,<br>\nDoch sucht sie mich nur hinzuleiern.<br>\nO List! Indem sie her sich b\u00fcckt,<br>\nMu\u00df sich ihr Busen selbst entschleiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein schlauer Blick wird hingesandt;<br>\nAllein der Dieb l\u00e4\u00dft sich betreten.<br>\nEin Streich von ihrer weichen Hand<br>\nR\u00e4cht auf der Stell ihr Schamerr\u00f6ten.<br>\nDann r\u00fcckt sie weg und spricht nicht mehr;<br>\nBedeckt ihr Auge; macht die Blinde;<br>\nLauscht aber durch die Finger her:<br>\nWie ich die Kr\u00e4nkung wohl empfinde?<\/p>\n\n\n\n<p>Dann spiel ich einen Augenblick,<br>\nDoch nur verstellt, den Tiefbetr\u00fcbten;<br>\nUnd sie, o Wonne! springt zur\u00fcck,<br>\nVers\u00f6hnt sich mit dem Vielgeliebten,<br>\nUmhalset ihn, wei\u00df nicht genug<br>\nMit s\u00fc\u00dfen Namen ihn zu nennen,<br>\nUnd Mund und Wange, die sie schlug,<br>\nF\u00fchlt er von tausend K\u00fcssen brennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl hundert Launen, kraus und hold,<br>\nUmflattern t\u00e4glich meine Traute.<br>\nBald singt und lacht, bald weint und schmollt,<br>\nBald klimpert sie auf ihrer Laute,<br>\nTanzt hin und wieder, blitzgeschwind,<br>\nBringt bald ein B\u00fcchelchen, bald Karten,<br>\nBald streut sie alles in den Wind,<br>\nUnd eilt hinunter in den Garten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hinterher, ereile sie<br>\nIn einer sichern stillen Grotte.<br>\nFreund Amor treibt, sie wei\u00df nicht wie,<br>\nSie tief ins Dunkel. Dank dem Gotte!<br>\nSie bebt, von meinem Arm umstrickt.<br>\nMein Ku\u00df erstickt ihr letztes Lallen.<br>\nSie sinkt. Ich halte sie entz\u00fcckt,<br>\nUnd &#8211; halt! &#8211; und lasse sie nicht fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gottfried August B\u00fcrger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein andrer werb um Ehr und Gold! Ich werb um Liebe bei Selinden. Mich kann allein ihr s\u00fc\u00dfer Sold An allgetreue Dienste binden. Das Gl\u00fcck l\u00e4\u00dft manchen Ehrenmann In seinem Dienst umsonst verderben. 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