{"id":6728,"date":"2010-10-03T11:32:57","date_gmt":"2010-10-03T09:32:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/der-falke\/"},"modified":"2025-06-18T17:38:55","modified_gmt":"2025-06-18T15:38:55","slug":"der-falke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/der-falke\/","title":{"rendered":"Der Falke"},"content":{"rendered":"\n<p>Wem ist dein Ruhm, dein Vorzug unbekannt,<br>\nHetrurien, der K\u00fcnstler Vaterland,<br>\nWo die Natur, das Auge zu entz\u00fccken,<br>\nRecht sinnreich ist, Berg, Thal und Busch zu schm\u00fccken,<br>\nUnd Wahl und Kunst, durch edelm\u00fcth&#8217;gen Flei\u00df,<br>\nDer Sch\u00f6pferin klug nachzuahmen wei\u00df?<br>\n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br>\nDer Arno sah hier sonst an seinem Schilfe<br>\nDen Pan voll Muth und Nymphen ohne Hilfe,<br>\nUnd noch erblickt sein reizendes Revier<br>\nDer Sch\u00f6nen Schaar, und Lieb&#8216;, und Lust mit ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort, in Florenz, verehrte man vorzeiten<br>\nEin sch\u00f6nes Weib, voll Stolz, und Trefflichkeiten.<br>\nEs war nur sie dem Wunder aller Welt,<br>\nDer Venus gleich, die Cosmus aufgestellt.<br>\nSie war es nur, die Aller Sehnsucht \u00fcbte,<br>\nGeliebet ward, und keinen wieder liebte:<br>\nFrau Silvia, f\u00fcr die so manche Nacht<br>\nDer Stutzer Volk geseufzet und gewacht,<br>\nUnd, schlief es ja, mehr als ihr Ehegatte,<br>\nZum langen Traum nur sie gew\u00fcnschet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>An Z\u00e4rtlichkeit und an Verehrung glich<br>\nKein einziger dem edlen Friederich.<br>\nNicht nur sein Gut, er h\u00e4tte selbst sein Leben<br>\nUm einen Ku\u00df, bezaubert, hingegeben.<br>\nEr wu\u00dfte wol, das Geld erkauft den Sieg<br>\nUnzweifelhaft, sowol in Lieb&#8216;, als Krieg,<br>\nSprengt Schl\u00f6sser auf, kann Wall und Burg ersteigen,<br>\nWiegt W\u00e4chter ein, macht Knecht&#8216; und M\u00e4gde schweigen,<br>\nUnd wiederum, schnell wie das Spiel sich dreht,<br>\nDen Knecht, die Magd verf\u00fchrerisch beredt.<br>\nNichts lockt so sehr von allem, was wir kennen;<br>\nNichts auf der Welt ist freundlicher zu nennen.<br>\nAvidien! dir lacht in der Natur<br>\nNichts, als das Geld: sonst alles l\u00e4chelt nur.<br>\nNichts gleicht, f\u00fcr dich, an Liebreiz, und an Freude,<br>\nDem Sonnenerz, der besten Augenweide.<br>\nDoch Friederich war kein Avidien:<br>\nNur Silvia war ihm auf Erden sch\u00f6n.<br>\nEr hielte sich gl\u00fcckselig im Verschwenden,<br>\nF\u00fcr Silvien auch alles aufzuwenden.<br>\nAllein umsonst, wie viel er auch erfand;<br>\nEin trockner Ku\u00df auf Handschuh oder Hand,<br>\nEin kurzer Dank, womit sie ihn beehrte,<br>\nDer ihren Stolz durch Pracht und Knechtschaft mehrte,<br>\nEin karges Lob, ein seltner Seitenblick,<br>\nDas war sein Lohn, das war sein ganzes Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>So ward er arm, weit fr\u00fcher, als er dachte,<br>\nWeil er noch stets aus Hufen Baarschaft machte.<br>\nDies Rittergut und jenes Marquisat<br>\nVersilberten noch immer seinen Staat;<br>\nDoch nur ein Jahr. Anselmo, sein Verwalter,<br>\nIst insgeheim sein j\u00fcdischer Erhalter,<br>\nKauft einen Hof, baar, doch f\u00fcr halbes Geld;<br>\nZu diesem Hof ein gro\u00dfes Ackerfeld,<br>\nZu diesem Feld ein Vorwerk, und die Pflege,<br>\nDie Fischerei, die Jagd, und das Geh\u00e4ge,<br>\nUnd, weil Pandolf, ein Wechsler, Vorschu\u00df thut,<br>\nZum vorigen das Schlo\u00df, das Rittergut;<br>\nDer Erbschaft Kern. Sein Herr l\u00e4\u00dft sich betr\u00fcgen,<br>\nUnd jedes Gut in fremde H\u00e4nde fliegen.<br>\nDie Lieb&#8216; ist schlau; allein sie rechnet schlecht,<br>\nUnd gegen sich ist sie oft ungerecht,<br>\nSie sammlet nicht. Die milde Kunst zu lieben<br>\nGleicht nie der Kunst, die Xenophon beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Friederich verblieb nur dreierlei:<br>\nEin Pferd, ein Falk&#8216;, und eine Meierei.<br>\nSonst hatt&#8216; er nichts, als taube, falsche Freunde.<br>\nDie Freunde gib, o Himmel, meinem Feinde!<br>\nDoch, Himmel, nein! so hab&#8216; ich nie geha\u00dft,<br>\nUnd diesen Fluch hat nicht mein Herz verfa\u00dft.<br>\nKein einziger war willig, ihm zu dienen.<br>\nSie lie\u00dfen ihn, als einen Baum, vergr\u00fcnen,<br>\nDer Schatten gab, dem man noch helfen kann:<br>\nIhm half man nicht, ihn sah man nicht mehr an.<br>\nEin Tischfreund sprach: Er ist recht zu beklagen;<br>\nDer andre: Ja! das wollt&#8216; ich eben sagen.<br>\nDer dritte schwieg, und jeglicher verga\u00df,<br>\nWas er zuvor allein in ihm besa\u00df,<br>\nDer, wenn er nur der Freunde Mangel wu\u00dfte,<br>\nVoll Ungeduld, ihn hilfreich heben mu\u00dfte,<br>\nDer jeder Kunst, der Tonkunst, Poesie<br>\nUnd Malerei, weit mehr als Lob verlieh,<br>\nUnd Silvien, zum Vortheil vieler Leute,<br>\nTurniere, Ball und Lustbarkeiten weihte.<br>\nWie h\u00e4tten sonst Stand, Jugend, Aufwand, Pracht<br>\nIhm in Florenz die Sch\u00f6nen hold gemacht!<br>\nSie g\u00f6nnten nicht der Silvien ihr Gl\u00fccke.<br>\nDer Wink zur Lust, die Sprache schlauer Blicke,<br>\nDer Seufzer Ruf, der schmeichelhafte Scherz<br>\nVerfolgten ihn, und buhlten um sein Herz.<br>\nDoch ward sein Herz von keinem Reiz bemeistert;<br>\nEs ward allein von Silvien begeistert.<br>\nWas er gedacht, empfand, und h\u00f6rt, und sah,<br>\nUnd sprach, und schrieb, ward alles Silvia.<br>\nIn diesem Wahn und eingenommnen Sinnen<br>\nSah er sein Gut, wie lockern Schnee, zerrinnen,<br>\nDer sternend gl\u00e4nzt, das Auge blendend r\u00fchrt,<br>\nDoch allgemach in Tropfen sich verliert.<br>\nSo mu\u00dft&#8216; er bald der sch\u00f6nen Marquisaten,<br>\nDie er besa\u00df, bei neuer Noth, entrathen,<br>\nUnd, weil die Reih&#8216; auch bald die Grafschaft traf,<br>\nSo floh die nach; nun war er nicht mehr Graf.<br>\nWie kr\u00e4nkt&#8216; ihn das! die Wollust stolzer Ohren,<br>\nDes Namens Schmuck, der Titel ging verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>In Frankreich ist Marquis von hohem Ton,<br>\nIn Welschland Graf, und anderswo Baron.<br>\nSo hei\u00dft man gern: auch lernet diese Namen<br>\nManch&#8216; B\u00fcrgerkind, auf Reisen nachzuahmen;<br>\nDaher ihm auch die Wirthin und der Wirth<br>\nGehorsamst dient, und, sich zum Vortheil, irrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Silvia Gemahl, und Herr, und H\u00fcter<br>\nHatt&#8216; um Florenz viel angestammte G\u00fcter,<br>\nWar reich und gro\u00df; und Friedrichs G\u00f6ttin nahm<br>\nNichts von ihm an, wenn er zu opfern kam.<br>\nEs war ihr Herz zu edel, zu erhaben.<br>\nSie duldete den Geber, nicht die Gaben,<br>\nUnd stellt&#8216; ihm nur den steten Aufwand frei.<br>\nDen \u00f6stern Ball, die \u00f6ftre Mummerei,<br>\nDas Ritterspiel, das rauschende Gepr\u00e4nge,<br>\nDer Ehrenmahl&#8216; und Freudenfeste Menge,<br>\nWomit er ihr Geburts- und Namenstag,<br>\nUnd manchen mehr, stolz zu versch\u00f6nern pflag.<br>\nDoch auch kein Ku\u00df vergn\u00fcgte seine Triebe.<br>\nEr ist, und bleibt ein M\u00e4rtyrer der Liebe.<br>\nDie Hoffnung selbst vers\u00fc\u00dft nicht sein Bem\u00fchn.<br>\nEr mu\u00df nunmehr die Meierei beziehn.<br>\nEr mu\u00df die Stadt, den Sitz gewohnter Freuden,<br>\nEr mu\u00df auch sie, die er verg\u00f6ttert, meiden.<br>\nBetr\u00fcbter Trost, da\u00df ihn ein Dach versteckt,<br>\nEin Dach von Rohr, das halb sein Haus bedeckt;<br>\nDas w\u00fcste Haus, wo in der Mauer Ritzen<br>\nEin Marder wirft, und Kauz und Eule sitzen,<br>\nUnd Licht und Tag, grausamer als die Nacht,<br>\nAn jeder Wand nur Elend sichtbar macht!<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wohnt er nun; besch\u00e4mt, da\u00df seine Treue<br>\nSein Ungl\u00fcck ist; doch immer ohne Reue.<br>\nEr klagt nur sich, nur sein Verh\u00e4ngni\u00df an,<br>\nDa\u00df Silvia ihn nimmer lieb gewann.<br>\nEr klaget nur, da\u00df er so stolz gewesen,<br>\nZur Sch\u00f6nen sich die Sch\u00f6nste zu erlesen.<br>\nEr hatte hier, im \u00f6den Aufenthalt,<br>\nEin greises Weib von widriger Gestalt,<br>\nVon tr\u00e4gem Dienst, voll Husten, Gicht und Jammer:<br>\nDie K\u00fcche glich der leeren Speisekammer.<br>\nIm alten Stall stand traurig und allein<br>\nEin gutes Pferd, doch nicht von Knochen fein,<br>\nUnd unterm Dach sa\u00df einsam, auf der Stange,<br>\nSein edler Falk. Dem war im H\u00fchnerfange<br>\nKein andrer gleich. Mit dem ritt er in&#8217;s Land,<br>\nUnd opferte dem Gram, den er empfand,<br>\nManch&#8216; Rebhuhn auf, als ob es b\u00fc\u00dfen sollte,<br>\nDa\u00df Silvia ihn nicht erh\u00f6ren wollte.<br>\nSo lebte hier der gute Friederich,<br>\nDurch eigne Schuld, verlassen, k\u00fcmmerlich,<br>\nUnd stets verliebt. Der Unmuth, der ihn plagte,<br>\nStieg mit zu Pferd, und trieb ihn, wann er jagte.<br>\nSein z\u00e4rtlich Herz war seine gr\u00f6\u00dfte Qual.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen starb der Silvia Gemahl,<br>\nUnd hinterlie\u00df nur einen Sohn zum Erben,<br>\nEin schwaches Kind, und, sollte der versterben,<br>\nSo hatt&#8216; er sie im Testament bedacht,<br>\nUnd diesem Sohn zur Erbin sie gemacht.<br>\nSie wollte nun, geruhiger zu leben,<br>\nSich auf das Land, und in ein Schlo\u00df begeben,<br>\n(Von Friedrichs Hof lag es f\u00fcnf hundert Schritt)<br>\nUnd nahm dahin den kleinen Junker mit.<br>\nDort wird er krank. Was sie erleiden m\u00fcssen,<br>\nDa Arzt und Tod ihr ihren Herrn entrissen,<br>\nTraf nicht so sehr ihr eheliches Herz,<br>\nAls dieses Weh, und ihres S\u00f6hnchens Schmerz.<br>\nDen ganzen Tag sitzt sie vor seinem Bette,<br>\nUnd forscht, und fragt, was er doch gerne h\u00e4tte,<br>\nOb die\u00df? ob das? was ihrem Kleinen fehlt?<br>\nWas er zur Lust, was er zur Speise w\u00e4hlt?<br>\nSie will sich gern nach seinem Sinn bequemen.<br>\nEr weigert sich, was sie ihm gibt, zu nehmen.<br>\nEr weist es ab, schreit, l\u00e4rmt, ist nimmer still.<br>\nNur jener Falk ist, was er haben will.<br>\nSonst will er nichts. Seit dem man ihm erz\u00e4hlet,<br>\nDa\u00df dieser Falk noch nie den Raub verfehlet,<br>\nDa\u00df er so scharf von Aug&#8216; und Klauen sei,<br>\nSonst lustig, zahm, nicht falsch, nicht menschenscheu:<br>\nSeit solcher Zeit war es einmal geschehen,<br>\nDa\u00df er ihn selbst, und seinen Herrn gesehen,<br>\nDer dieses Kind an seinen Busen dr\u00fcckt,<br>\nUnd einen Ku\u00df, durch ihn, der Mutter schickt,<br>\nDen Falken nun, den will er, und sonst keinen.<br>\nSonst ruht er nicht: sonst kann er nichts, als weinen.<br>\nDie Mutter seufzt. Sie wu\u00dfte freilich wol,<br>\nWie sehr man oft den Kindern f\u00fcgen soll.<br>\nDoch kann sie sich, ja darf sie sich entschlie\u00dfen,<br>\nDen Friederich um etwas zu begr\u00fc\u00dfen,<br>\nDas ihn vielleicht oft vor dem Hunger sch\u00fctzt,<br>\nDas einzige, das er zur Jagd besitzt,<br>\nDas einzige, was ihm das Gl\u00fcck gelassen?<br>\nHat er nicht Recht, nunmehro mich zu hassen?<br>\nErwies ich ihm, als er sich mir geweiht,<br>\nNur mich verehrt, die mind&#8217;ste Dankbarkeit?<br>\nWie kann ich nun ihm unter Augen gehen?<br>\nWie, unbesch\u00e4mt, um seinen Falken flehen?<br>\nIch, deren Stolz ihn in sein Elend st\u00fcrzt,<br>\nIhn, dessen Noth gewi\u00df sein Leben k\u00fcrzt!<br>\nDoch kann mein Sohn nicht sterben, und nicht leben.<br>\nIch soll, ich mu\u00df ihm diesen Falken geben.<br>\nWie qu\u00e4lt er sich! Er schlummert keine Nacht,<br>\nAls bis man ihm zum Falken Hoffnung macht.<br>\nEs sei gewagt! mein Freund l\u00e4\u00dft sich erbitten;<br>\nIch kenne ja sein Herz, und seine Sitten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, als nur der Morgen scheint,<br>\nEilt sie zum Hof, und sucht den treuen Freund,<br>\nUnd findet ihn in seinem kleinen Garten.<br>\nEr war bem\u00fcht, die Spr\u00f6\u00dflinge zu warten.<br>\nSie geht zu ihm, unangemeldt, hinein.<br>\nBald sieht er sie. Wie kann es m\u00f6glich sein,<br>\nSpricht er entz\u00fcckt, da\u00df ich dich hier verehre?<br>\nIch glaub&#8216; es kaum, da ich dich seh&#8216;, und h\u00f6re.<br>\nSo bin ich dir doch heute nicht verha\u00dft! &#8230;<br>\nO nein, mein Herr! zu dir komm&#8216; ich als Gast &#8230;<br>\nAls Gast? zu mir? Erblicke mit Erbarmen<br>\nDen Liebenden, den Fl\u00fcchtling, und den Armen,<br>\nUnd h\u00f6hn&#8216; ihn nicht. Was hat dich hergebracht?<br>\nDenn dein Besuch war mir nicht zugedacht &#8230;<br>\nMein Freund, du irrst. Das will ich dir beweisen.<br>\nIch bleibe hier, und kam mit dir zu speisen &#8230;<br>\nWas h\u00e4tt&#8216; ich wohl! an allem leid&#8216; ich Noth.<br>\nWas tisch&#8216; ich auf? &#8230; Wie? Hast du denn kein Brod?<br>\nVersetzte sie. Gleich geht er aufzusuchen,<br>\nOb noch vielleicht ein guter Honigkuchen,<br>\nOb frischer Speck, ein unver\u00e4chtlich Ei,<br>\nOb etwas sonst zum Mahl vorhanden sei.<br>\nDa flieget ihm sein sch\u00f6ner Falk entgegen,<br>\nSein treuer Falk. Ohn&#8216; alles Ueberlegen<br>\nErw\u00fcrgt er ihn, rupft ihm die Federn aus,<br>\nUnd hackt ihn klein, und eilt, und l\u00e4uft durchs Haus.<br>\nSelbst ist der Mann: er selbst will alles holen.<br>\nDoch wird der Tisch der Alten anbefohlen.<br>\nIhr Herz verw\u00fcnscht den pl\u00f6tzlichen Besuch;<br>\nDoch langt sie bald das Tisch- und Tellertuch,<br>\nMit Wahl, hervor, setzt in das Zimmer Maien,<br>\nPfl\u00fcckt Quendel ab, die Tafel zu bestreuen,<br>\nHolt Rosmarin; dem wird der Majoran,<br>\nDie Ringelblum&#8216;, und mehr hinzugethan.<br>\nMan sitzt, man i\u00dft; und, um ihn zu verbinden,<br>\nScheint Silvia hier alles sch\u00f6n zu finden.<br>\nNoch kein Gericht hat ihr so gut geschmeckt.<br>\nWarum sie kam, wird ihm nach Tisch entdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Verg\u00f6nnst du mir, mich dir zu offenbaren?<br>\nWo fang&#8216; ich an? Wie wei\u00df ich fortzufahren?<br>\nIch fordre dir, mit Unrecht, alles ab,<br>\nWas noch bisher dir Trost und Freude gab.<br>\nDoch k\u00f6nntest du die Mutterliebe kennen,<br>\nDu w\u00fcrdest mich beklagensw\u00fcrdig nennen.<br>\nErbarme dich. Ach Freund, betrachte nur<br>\nDie Regungen der Pflicht und der Natur.<br>\nMein Sohn ist krank; ihn nagt ein innrer Kummer,<br>\nDer seltsam ist, und raubt ihm Kraft und Schlummer:<br>\nDenn dieser Sohn, mein einzig Kind, er stirbt,<br>\nFalls nicht mein Flehn den Falken ihm erwirbt:<br>\nSo heftig ist sein einziges Begehren.<br>\nDu seufzest schon; ach glaube meinen Z\u00e4hren.<br>\nAch h\u00e4tte mir mein langer Widerstand,<br>\nMein spr\u00f6der Stolz nicht ganz dein Herz entwandt!<br>\nDein edles Herz! doch wolltest du ermessen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Falk&#8216; ist hin: du hast davon gegessen,<br>\nSpricht Friederich; und seine Herrscherin<br>\nFragt ihn best\u00fcrzt: Was h\u00f6r&#8216; ich? ist er hin?<br>\nDer Arme sagt: ach h\u00e4tt&#8216; ich dir, mein Leben,<br>\n(Vergib dies Wort) daf\u00fcr mein Herz gegeben!<br>\nZum Ungl\u00fcck nur treibt mich mein Schicksal an:<br>\nIch soll nichts thun, das dich gewinnen kann,<br>\nDich, Silvia. Dir etwas vorzusetzen,<br>\nWar dein Gehei\u00df, und ward mir zum Erg\u00f6tzen.<br>\nIch suchte nach: ich sah den Boden leer,<br>\nUnd auch mein Falk&#8216; fand keine Aetzung mehr.<br>\nIhn w\u00fcrgt&#8216; ich ab, gleichgiltig, ohne Reue:<br>\nIhn opfert&#8216; ich der Sch\u00f6nheit und der Treue.<br>\nWie? seufzest du? Ist etwas uns zu werth,<br>\nWann die erscheint, die unsre Brust verehrt?<br>\nDoch h\u00f6r&#8216; jetzt auf die deinige zu qu\u00e4len.<br>\nEs soll dir nicht an einem Falken fehlen.<br>\nIch schaff&#8216; ihn dir von starkem Muth und Flug.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wittwe sagt: o nein; es ist genug!<br>\nDu gibst mir jetzt das gr\u00f6\u00dfte Liebeszeichen,<br>\nMein bester Freund! Es mag mein Sohn erbleichen,<br>\nDer Himmel mag ihn l\u00e4nger mir verleihn;<br>\nSo dank&#8216; ich dir. Kehr&#8216; oftmals bei uns ein.<br>\nVersprich es doch: versprich es, bald zu kommen.<br>\nDu wirst gewi\u00df erkenntlich aufgenommen.<br>\nSie reicht ihm selbst die Rechte l\u00e4chelnd dar,<br>\nDie wei\u00dfe Hand, die sonst so furchtsam war.<br>\nNun darf er sich mit tausend K\u00fcssen r\u00e4chen.<br>\nSein Mund verstummt, und seine Thr\u00e4nen sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kranke Sohn folgt bald dem Vater nach.<br>\nDer zweite Tag fand ihn geschr\u00f6pft und schwach,<br>\nDer dritte todt: und, \u00fcber sein Erblassen,<br>\nWill Silvia sich gar nicht tr\u00f6sten lassen.<br>\nAllein der Bund der Liebe mit der Zeit<br>\nIst viel zu stark f\u00fcr ihre Traurigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht blos aus Dank, auch weil ihr Herz ihn w\u00e4hlet,<br>\nWird Friederich mit Silvien verm\u00e4hlet.<\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich von Hagedorn<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wem ist dein Ruhm, dein Vorzug unbekannt, Hetrurien, der K\u00fcnstler Vaterland, Wo die Natur, das Auge zu entz\u00fccken, Recht sinnreich ist, Berg, Thal und Busch zu schm\u00fccken, Und Wahl und Kunst, durch edelm\u00fcth&#8217;gen Flei\u00df, Der Sch\u00f6pferin klug nachzuahmen wei\u00df?<\/p>\n","protected":false},"author":181,"featured_media":53022,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_sitemap_exclude":false,"_sitemap_priority":"","_sitemap_frequency":"","footnotes":""},"categories":[31],"tags":[2379,2134,2285,83,1067,148,854,1340,1455,1141,2913,963,1583,67,1916,936,1816,1317,1909,1460,478],"class_list":["post-6728","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-tiere","tag-begeisterung","tag-besitz","tag-beweis","tag-dankbarkeit","tag-fliegen","tag-freunde","tag-friedrich-von-hagedorn","tag-geduld","tag-glueck","tag-hoffnung","tag-natur","tag-reise","tag-schoenheit","tag-sehnsucht","tag-staerke","tag-sterne","tag-stolz","tag-verliebt","tag-voegel","tag-wuensche","tag-zeit"],"aioseo_notices":[],"aioseo_head":"\n\t\t<!-- All in One SEO 4.9.10 - aioseo.com -->\n\t<meta name=\"description\" content=\"Wem ist dein Ruhm, dein Vorzug unbekannt, Hetrurien, der K\u00fcnstler Vaterland, Wo die Natur, das Auge zu entz\u00fccken, Recht sinnreich ist, Berg, Thal und Busch zu schm\u00fccken, Und Wahl und Kunst, durch edelm\u00fcth&#039;gen Flei\u00df, Der Sch\u00f6pferin klug nachzuahmen wei\u00df? 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