{"id":6700,"date":"2010-10-02T10:07:36","date_gmt":"2010-10-02T08:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/das-lied-von-der-glocke-vivos-voco-mortuos-plango-fulgare-frango\/"},"modified":"2025-06-18T17:39:17","modified_gmt":"2025-06-18T15:39:17","slug":"das-lied-von-der-glocke-vivos-voco-mortuos-plango-fulgare-frango","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spruechetante.de\/sprueche-sammlung\/index.php\/das-lied-von-der-glocke-vivos-voco-mortuos-plango-fulgare-frango\/","title":{"rendered":"Das Lied von der Glocke (Vivos voco. Mortuos plango. Fulgare frango)"},"content":{"rendered":"\n<p>Fest gemauert in der Erden<br>\nSteht die Form aus Lehm gebrannt.<br>\nHeute mu\u00df die Glocke werden!<br>\nFrisch, Gesellen, seid zur Hand!<br>\nVon der Stirne hei\u00df<br>\nRinnen mu\u00df der Schwei\u00df,<br>\nSoll das Werk den Meister loben!<br>\nDoch der Segen kommt von oben.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br>\nZum Werke, das wir ernst bereiten,<br>\nGeziemt sich wohl ein ernstes Wort;<br>\nWenn gute Reden sie begleiten,<br>\nDann flie\u00dft die Arbeit munter fort.<br>\nSo la\u00dft uns jetzt mit Flei\u00df betrachten,<br>\nWas durch schwache Kraft entspringt;<br>\nDen schlechten Mann mu\u00df man verachten,<br>\nDer nie bedacht, was er vollbringt.<br>\nDas ist&#8217;s ja, was den Menschen zieret,<br>\nUnd dazu ward ihm der Verstand,<br>\nDa\u00df er im Herzen sp\u00fcret,<br>\nWas er erschaffen mit seiner Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmt Holz vom Fichtenstamme<br>\nDoch recht trocken la\u00dft es sein,<br>\nDa\u00df die eingepre\u00dfte Flamme<br>\nSchlage zu dem Schwalch hinein!<br>\nKocht des Kupfers Brei!<br>\nSchnell das Zinn herbei,<br>\nDa\u00df die z\u00e4he Glockenspeise<br>\nFlie\u00dfe nach der rechten Weise!<\/p>\n\n\n\n<p>Was in des Dammes tiefer Grube<br>\nDie Hand mit Feuers Hilfe baut,<br>\nHoch auf des Turmes Glockenstube,<br>\nDa wird es von uns zeugen laut.<br>\nNoch dauern wird&#8217;s in sp\u00e4ten Tagen<br>\nUnd r\u00fchren vieler Menschen Ohr,<br>\nUnd wird mit dem Betr\u00fcbten klagen<br>\nUnd stimmen zu der Andacht Chor.<br>\nWas unten tief dem Erdensohne<br>\nDas wechselnde Verh\u00e4ngnis bringt,<br>\nDas schl\u00e4gt an die metallne Krone,<br>\nDie es erbaulich weiter klingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wei\u00dfe Blasen seh&#8216; ich springen;<br>\nWohl! die Massen sind im Flu\u00df.<br>\nLa\u00dft&#8217;s mit Aschensalz durchdringen,<br>\nDas bef\u00f6rdert schnell den Gu\u00df.<br>\nAuch vom Schaume rein<br>\nMu\u00df die Mischung sein,<br>\nDa\u00df vom reinlichen Metalle<br>\nRein und voll die stimme schalle.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn mit der Freude Feierklange<br>\nBegr\u00fc\u00dft sie das geliebte Kind<br>\nAuf seines Lebens ersten Gange,<br>\nDen es in des Schlafes Arm beginnt.<br>\nIhm ruhen noch im Zeitenscho\u00dfe<br>\nDie schwarzen und die heitern Lose;<br>\nDer Mutterliebe zarte Sorgen<br>\nBewachen seinen goldnen Morgen.<br>\nDie Jahre fliehen pfeilgeschwind.<br>\nVom M\u00e4dchen rei\u00dft sich stolz der Knabe,<br>\nEr st\u00fcrmt ins Leben wild hinaus,<br>\nDurchmi\u00dft die Welt am Wanderstabe,<br>\nFremd kehrt er heim ins Vaterhaus.<br>\nUnd herrlich in der Jugend Prangen,<br>\nWie ein Gebild aus Himmelsh\u00f6hn,<br>\nMit z\u00fcchtigen, versch\u00e4mten Wangen,<br>\nSieht er die Jungfrau vor sich stehn.<br>\nDa fa\u00dft ein namenloses Sehnen<br>\nDes J\u00fcnglings Herz, er irrt allein,<br>\nAus seinen Augen brechen Tr\u00e4nen,<br>\nEr flieht der Br\u00fcder wilden Reihn.<br>\nErr\u00f6tend folgt er ihren Spuren<br>\nUnd ist von ihrem Gru\u00df begl\u00fcckt,<br>\nDas Sch\u00f6nste sucht er auf den Fluren,<br>\nWomit er seine Liebe schm\u00fcckt.<br>\nO zarte Sehnsucht, s\u00fc\u00dfes Hoffen,<br>\nDer ersten Liebe goldne Zeit,<br>\nDas Auge sieht den Himmel offen,<br>\nEs schwelgt das Herz in Seligkeit;<br>\nO da\u00df sie ewig gr\u00fcnen bliebe,<br>\nDie sch\u00f6ne Zeit der jungen Liebe!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich schon die Pfeifen br\u00e4unen!<br>\nDieses St\u00e4bchen tauch&#8216; ich ein:<br>\nSehn wir&#8217;s \u00fcberglast erscheinen,<br>\nWird&#8217;s zum Gusse zeitig sein.<br>\nJetzt, Gesellen, frisch!<br>\nPr\u00fcft mir das Gemisch,<br>\nOb das Spr\u00f6de mit dem Weichen<br>\nSich vereint zum guten Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wo das Strenge mit dem Zarten,<br>\nWo Starkes sich und Mildes paarten,<br>\nDa gibt es einen guten Klang.<br>\nDrum pr\u00fcfe, wer sich ewig bindet,<br>\nOb sich das Herz zum Herzen findet!<br>\nDer Wahn ist kurz, die Reu&#8216; ist lang.<br>\nLieblich in der Br\u00e4ute Locken<br>\nSpielt der jungfr\u00e4uliche Kranz,<br>\nWenn die hellen Kirchenglocken<br>\nLaden zu des Festes Glanz.<br>\nAch! des Lebens sch\u00f6nste Feier<br>\nEndigt auch den Lebensmai:<br>\nMit dem G\u00fcrtel, mit dem Schleier<br>\nRei\u00dft der sch\u00f6ne Wahn entzwei.<br>\nDie Leidenschaft flieht,<br>\nDie Liebe mu\u00df bleiben;<br>\nDie Blume verbl\u00fcht,<br>\nDie fruchtmu\u00df treiben.<br>\nDer Mann mu\u00df hinaus<br>\nIn&#8217;s feindliche Leben,<br>\nMu\u00df wirken und streben<br>\nUnd pflanzen und schaffen,<br>\nErlisten, erraffen,<br>\nMu\u00df wetten und wagen,<br>\nDas Gl\u00fcck zu erjagen.<br>\nDa str\u00f6met herbei die unendliche Gabe,<br>\nEs f\u00fcllt sich der Speicher mit k\u00f6stlicher Habe,<br>\nDie R\u00e4ume wachsen, es dehnt sich das Haus.<br>\nUnd drinnen waltet<br>\nDie z\u00fcchtige Hausfrau,<br>\nDie Mutter der Kinder,<br>\nUnd herrschet weise<br>\nIm h\u00e4uslichen Kreise,<br>\nUnd lehret die M\u00e4dchen<br>\nUnd wehret den Knaben,<br>\nUnd reget ohn&#8216; Ende<br>\nDie flei\u00dfigen H\u00e4nde,<br>\nUnd mehrt den Gewinn<br>\nMit ordnendem Sinn,<br>\nUnd f\u00fcllet mit Sch\u00e4tzen die duftenden Laden,<br>\nUnd dreht um die schnurrende Spindel den Faden,<br>\nUnd sammelt im reinlich gegl\u00e4tteten Schrein<br>\nDie schimmernde Wolle, den schneeigen Lein,<br>\nUnd f\u00fcget zum Guten den Glanz und den Schimmer,<br>\nUnd ruhet nimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Vater mit frohem Blick<br>\nVon des Hauses weitschauendem Giebel<br>\n\u00dcberz\u00e4hlt sein bl\u00fchendes Gl\u00fcck,<br>\nSiehet der Pfosten ragende B\u00e4ume,<br>\nUnd der Scheunen gef\u00fcllte R\u00e4ume,<br>\nUnd die Speicher, vom Segen gebogen,<br>\nUnd des Kornes bewegte Wogen,<br>\nR\u00fchmt sich mit stolzem Mund:<br>\nFest, wie der Erde Grund,<br>\nGegen des Ungl\u00fccks Macht<br>\nSteht mir des Hauses Pracht!<br>\nDoch mit des Geschickes M\u00e4chten<br>\nIst kein ew&#8217;ger Bund zu flechten,<br>\nUnd das Ungl\u00fcck schreitet schnell.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl! nun kann der Gu\u00df beginnen,<br>\nSch\u00f6n gezacket ist der Bruch,<br>\nDoch bevor wir&#8217;s lassen rinnen,<br>\nBetet einen frommen Spruch!<br>\nSto\u00dft den Zapfen aus!<br>\nGott bewahr&#8216; das Haus!<br>\nRauschend in des Henkels Bogen<br>\nSchie\u00dft&#8217;s mit feuerbraunen Wogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohlt\u00e4tig ist des Feuers Macht,<br>\nWenn sie der Mensch bez\u00e4hmt, bewacht,<br>\nUnd was er bildet, was er schafft,<br>\nDas dankt er dieser Himmelskraft,<br>\nWenn sie der Fessel sich entrafft,<br>\nEinhertritt auf der eignen Spur,<br>\nDie freie Tochter der Natur.<br>\nWehe, wenn sie losgelassen,<br>\nWachsend ohne Widerstand,<br>\nDurch die volkbelebten Gassen<br>\nW\u00e4lzt den ungeheuren Brand!<br>\nDenn die Elemente hassen<br>\nDas Gebild der Menschenhand.<br>\nAus der Wolke<br>\nQuillt der Segen,<br>\nStr\u00f6mt der Regen;<br>\nAus der Wolke, ohne Wahl,<br>\nZuckt der Strahl.<br>\nH\u00f6rt ihr&#8217;s wimmern hoch im Turm?<br>\nDas ist Sturm!<br>\nRot, wie Blut,<br>\nIst der Himmel;<br>\nDas ist nicht des Tages Glut!<br>\nWelch Get\u00fcmmel<br>\nStra\u00dfen auf!<br>\nDampf wallt auf!<br>\nFlackernd steigt die Feuers\u00e4ule;<br>\nDurch der Stra\u00dfe lange Zeile<br>\nW\u00e4chst es fort mit Windeseile;<br>\nKochend, wie aus Ofens Rachen,<br>\nGl\u00fchn die L\u00fcfte, Balken krachen,<br>\nPfosten st\u00fcrzen, Fenster klirren,<br>\nKinder jammern, M\u00fctter irren,<br>\nTiere wimmern<br>\nUnter Tr\u00fcmmern;<br>\nAlles rennet, rettet, fl\u00fcchtet,<br>\nTaghell ist die Nacht gelichtet.<br>\nDurch die H\u00e4nde lange Kette<br>\nUm die Wette<br>\nFliegt der Eimer; hoch im Bogen<br>\nSpritzen Quellen Wasserwogen.<br>\nHeulend kommt der Sturm geflogen,<br>\nDer die Flamme brausend sucht;<br>\nPrasselnd in die d\u00fcrre Frucht<br>\nF\u00e4llt sie, in des Speichers R\u00e4ume,<br>\nIn der Sparren d\u00fcrre B\u00e4ume,<br>\nUnd als wollte sie im Wehen<br>\nMit sich fort der Erde Wucht<br>\nRei\u00dfen in gewalt&#8217;ger Flucht,<br>\nW\u00e4chst sie in des Himmels H\u00f6hen<br>\nRiesengro\u00df.<br>\nHoffnungslos<br>\nWeicht der Mensch der G\u00f6tterst\u00e4rke:<br>\nM\u00fc\u00dfig sieht er seine Werke<br>\nUnd bewundernd untergehn.<\/p>\n\n\n\n<p>Leergebrannt<br>\nIst die St\u00e4tte,<br>\nWilder St\u00fcrme rauhes Bette<br>\nIn den \u00f6den Fensterh\u00f6hlen<br>\nWohnt das Grauen,<br>\nUnd des Himmels Wolken schauen<br>\nHoch hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Blick<br>\nNach dem Grabe<br>\nSeiner Habe<br>\nSendet noch der Mensch zur\u00fcck \u00db\u0192<br>\nGreift fr\u00f6hlich dann zum Wanderstabe.<br>\nWas des Feuers Wut ihm auch geraubt,<br>\nEin s\u00fc\u00dfer Trost ist ihm geblieben:<br>\nEr z\u00e4hlt die H\u00e4upter seiner Lieben,<br>\nUnd sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.<\/p>\n\n\n\n<p>In die Erd&#8216; ist&#8217;s aufgenommen,<br>\nGl\u00fccklich ist die Form gef\u00fcllt;<br>\nWird&#8217;s auch sch\u00f6n zu Tage kommen,<br>\nDa\u00df es Flei\u00df und Kunst vergilt?<br>\nWenn der Gu\u00df mi\u00dflang?<br>\nWenn die Form zersprang?<br>\nAch! vielleicht, indem wir hoffen,<br>\nHat uns Unheil schon getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem dunklen Scho\u00df der heil&#8217;gen Erde<br>\nVertrauen wir der H\u00e4nde Tat,<br>\nVertraut der S\u00e4mann seine Saat<br>\nUnd hofft, da\u00df sie entkeimen werde<br>\nZum Segen, nach des Himmels Rat.<br>\nNoch k\u00f6stlicheren Samen bergen<br>\nWir trauernd in der Erde Scho\u00df<br>\nUnd hoffen, da\u00df er aus den S\u00e4rgen<br>\nErbl\u00fchen soll zu sch\u00f6nerm Los.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem Dome,<br>\nSchwer und bang,<br>\nT\u00f6nt die Glocke<br>\nGrabgesang.<br>\nErnst begleiten ihre Trauerschl\u00e4ge<br>\nEinen Wanderer auf dem letzten Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach! die Gattin ist&#8217;s, die teure,<br>\nAch! es ist die treue Mutter,<br>\nDie der schwarze F\u00fcrst der Schatten<br>\nWegf\u00fchrt aus dem Arm des Gatten,<br>\nAus der zarten Kinder Schar,<br>\nDie sie bl\u00fchend ihm gebar,<br>\nDie sie an der treuen Brust<br>\nWachsen sah mit Mutterlust \u00db\u0192<br>\nAch! des Hauses zarte Bande<br>\nSind gel\u00f6st auf immerdar;<br>\nDenn sie wohnt im Schattenlande,<br>\nDie des Hauses Mutter war;<br>\nDenn es fehlt ihr treues Walten,<br>\nIhre Sorge wacht nicht mehr;<br>\nAn verwaister St\u00e4tte schalten<br>\nWird die Fremde, liebeleer.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis die Glocke sich verk\u00fchlet,<br>\nLa\u00dft die strenge Arbeit ruhn!<br>\nWie im Laub der Vogel spielet,<br>\nMag sich jeder g\u00fctlich tun.<br>\nWinkt der Sterne Licht,<br>\nLedig aller Pflicht,<br>\nH\u00f6rt der Bursch die Vesper schlagen;<br>\nMeister mu\u00df sich immer plagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Munter f\u00f6rdert seine Schritte<br>\nFern im wilden Forst der Wanderer<br>\nNach der lieben Heimath\u00fctte.<br>\nBl\u00f6kend ziehen heim die Schafe,<br>\nUnd der Rinder<br>\nBreitgestirnte, glatte Scharen<br>\nKommen br\u00fcllend,<br>\nDie gewohnten St\u00e4lle f\u00fcllend.<br>\nSchwer herein<br>\nSchwankt der Wagen<br>\nKornbeladen;<br>\nBunt von Farben,<br>\nAuf den Garben<br>\nLiegt der Kranz,<br>\nUnd das junge Volk der Schnitter<br>\nFliegt im Tanz.<br>\nMarkt und Stra\u00dfe werden stiller;<br>\nUm des Lichts gesell&#8217;ge Flamme<br>\nSammeln sich die Hausbewohner,<br>\nUnd das Stadttor schlie\u00dft sich knarrend.<br>\nSchwarz bedecket<br>\nSich die Erde;<br>\nDoch den sichern B\u00fcrger schrecket<br>\nNicht die Nacht,<br>\nDie den B\u00f6sen gr\u00e4\u00dflich wecket;<br>\nDenn das Auge des Gesetzes wacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Heil&#8217;ge Ordnung, segensreiche<br>\nHimmelstochter, die das Gleiche<br>\nFrei und leicht und freudig bindet,<br>\nDie der St\u00e4dte Bau gegr\u00fcndet,<br>\nDie herein von den Gefilden<br>\nRief den ungesell&#8217;gen Wilden,<br>\nEintrat in der Menschen H\u00fctten,<br>\nSie gew\u00f6hnt zu sanften Sitten,<br>\nUnd das teuerste der Bande<br>\nWob, den Trieb zum Vaterlande!<\/p>\n\n\n\n<p>Tausend flei\u00df&#8217;ge H\u00e4nde regen,<br>\nHelfen sich in munterm Bund,<br>\nUnd in feurigem Bewegen<br>\nWerden alle Kr\u00e4fte kund.<br>\nMeister r\u00fchrt sich und Geselle<br>\nIn der Freiheit heil&#8217;gem Schutz;<br>\nJeder freut sich seiner Stelle,<br>\nBietet dem Ver\u00e4chter Trutz.<br>\nArbeit ist des B\u00fcrgers Zierde,<br>\nSegen ist der M\u00fche Preis:<br>\nEhrt den K\u00f6nig seine W\u00fcrde,<br>\nEhret uns der H\u00e4nde Flei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Holder Friede,<br>\nS\u00fc\u00dfe Eintracht,<br>\nWeilet, eilet<br>\nFreundlich \u00fcber dieser Stadt!<br>\nM\u00f6ge nie der Tag erscheinen,<br>\nWo des rauhen Krieges Horden<br>\nDieses stille Tal durchtoben;<br>\nWo der Himmel,<br>\nDen des Abends sanfte R\u00f6te<br>\nLieblich malt,<br>\nVon der D\u00f6rfer, von der St\u00e4dte<br>\nWildem Brande schrecklich strahlt!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zerbrecht mir das Geb\u00e4ude,<br>\nSeine Absicht hat&#8217;s erf\u00fcllt,<br>\nDa\u00df sich Herz und Auge weide<br>\nAn dem wohlgelungnen Bild.<br>\nSchwingt den Hammer, schwingt,<br>\nBis der Mantel springt!<br>\nWenn die Glock&#8216; soll auferstehen,<br>\nMu\u00df die Form in St\u00fccken gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Meister kann die Form zerbrechen<br>\nMit weiser Hand, zur rechten Zeit;<br>\nDoch wehe, wenn in Flammenb\u00e4chen<br>\nDas gl\u00fch&#8217;nde Erz sich selbst befreit!<br>\nBlindw\u00fctend mit des Donners Krachen<br>\nZersprengt es das geborstne Haus,<br>\nUnd wie aus offnem H\u00f6llenrachen<br>\nSpeit es Verderben z\u00fcndend aus.<br>\nWo rohe Kr\u00e4fte sinnlos walten,<br>\nDa kann sich kein Gebild gestalten;<br>\nWenn sich die V\u00f6lker selbst befrein,<br>\nDa kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Weh, wenn sich in dem Scho\u00df der St\u00e4dte<br>\nDer Feuerzunder still geh\u00e4uft,<br>\nDas Volk, zerrei\u00dfend seine Kette,<br>\nZur Eigenhilfe schrecklich greift!<br>\nDa zerret an der Glocke Str\u00e4ngen<br>\nDer Aufruhr, da\u00df sie heulend schallt,<br>\nUnd, nur geweiht zu Friedenskl\u00e4ngen,<br>\nDie Losung anstimmt zur Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Freiheit und Gleichheit! h\u00f6rt man schallen;<br>\nDer ruh&#8217;ge B\u00fcrger greift zur Wehr,<br>\nDie Stra\u00dfen f\u00fcllen sich, die Hallen,<br>\nUnd W\u00fcrgerbanden ziehn umher.<br>\nDa werden Weiber zu Hy\u00e4nen<br>\nUnd treiben mit Entsetzen Scherz:<br>\nNoch zuckend, mit des Panthers Z\u00e4hnen,<br>\nZerrei\u00dfen sie des Feindes Herz.<br>\nNichts Heiliges ist mehr, es l\u00f6sen<br>\nSich alle Bande frommer scheu;<br>\nDer Gute r\u00e4umt den Platz dem B\u00f6sen,<br>\nUnd alle Laster walten frei.<br>\nGef\u00e4hrlich ist&#8217;s, den Leu zu wecken,<br>\nVerderblich ist des Tigers Zahn,<br>\nJedoch der schrecklichste der Schrecken,<br>\nDas ist der Mensch in seinem Wahn.<br>\nWeh denen, die dem Ewigblinden<br>\nDes Lichtes Himmelsfackel leihn!<br>\nSie strahlt ihm nicht, sie kann nur z\u00fcnden,<br>\nUnd \u00e4schert St\u00e4dt&#8216; und L\u00e4nder ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Freude hat mit Gott gegeben!<br>\nSehet! wie ein gold&#8217;ner Stern<br>\nAus der H\u00fclse, blank und eben,<br>\nSch\u00e4lt sich der metallne Kern.<br>\nVon dem Helm zum Kranz<br>\nSpielt&#8217;s wie Sonnenglanz.<br>\nAuch des Wappens nette Schilder<br>\nLoben den erfahrnen Bilder.<\/p>\n\n\n\n<p>Herein! herein,<br>\nGesellen alle, schlie\u00dft den Reihen,<br>\nDa\u00df wir die Glocke taufend weihen!<br>\nConcordia soll ihr Name sein.<br>\nZur Eintracht, zu herzinnigem Vereine<br>\nVersammle sie die liebende Gemeine.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dies sei fortan ihr Beruf,<br>\nWozu der Meister sie erschuf:<br>\nHoch \u00fcber&#8217;m niedern Erdenleben<br>\nSoll sie im blauen Himmelszelt,<br>\nDie Nachbarin des Domes, schweben<br>\nUnd grenzen an die Sternenwelt,<br>\nSoll eine Stimme sein von oben,<br>\nWie der Gestirne helle Schar,<br>\nDie ihren Sch\u00f6pfer wandelnd loben<br>\nUnd f\u00fchren das bekr\u00e4nzte Jahr.<br>\nNur ewigen und ernsten Dingen<br>\nSei ihr metallner Mund geweiht,<br>\nUnd st\u00fcndlich mit den schnellen Schwingen<br>\nBer\u00fchr&#8216; im Fluge sie die Zeit.<br>\nDem Schicksal leihe sie die Zunge;<br>\nSelbst herzlos, ohne Mitgef\u00fchl,<br>\nBegleite sie mit ihrem Schwunge<br>\nDes Lebens wechselvolles Spiel.<br>\nUnd wie der Klang im Ohr vergehet,<br>\nDer m\u00e4chtig t\u00f6nend ihr entschallt,<br>\nSo lehre sie, da\u00df nichts bestehet,<br>\nDa\u00df alles Irdische verhallt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzo mit der Kraft des Stranges<br>\nWiegt die Glock&#8216; mir aus der Gruft,<br>\nDa\u00df sie in das Reich des Klanges<br>\nSteige, in die Himmelsluft!<br>\nZiehet, ziehet, hebt!<br>\nSie bewegt sich, schwebt!<br>\nFreude dieser Stadt bedeute,<br>\nFriede sei ihr erst Gel\u00e4ute.<\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich von Schiller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fest gemauert in der Erden Steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute mu\u00df die Glocke werden! Frisch, Gesellen, seid zur Hand! Von der Stirne hei\u00df Rinnen mu\u00df der Schwei\u00df, Soll das Werk den Meister loben! 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